Untersuchung zur Lebensqualität nach operativer Bauchdeckenstraffung

Untersuchung zur Lebensqualität nach operativer Bauchdeckenstraffung

 

(aus dem BLOG - 1.10.2009)

Die Bauchdeckenstraffung (Abdominoplastik) ist eine der am häufigsten durchgeführten Operationen in der ästhetischen Chirurgie.

Anläßlich der 40. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie (DGPRÄC) wurde ein Vortrag zum Thema "Lebensqualität nach Abdominoplastik" gehalten. Dieser Vortrag ist in mehrfacher Hinsicht nicht nur für Fachärzte, sondern auch für Laien interessant:

  1. Der Vortrag geht erfreulicherweise über die ansonsten so häufigen Lobpreisungen der Schönheitschirurgie hinaus und analysiert das Thema sachlich und neutral.
  2. Die Autoren, die Plastische Chirurgen und Fachärzte für Psychosomatische Medizin sind, verwenden ein ausgezeichnetes Testverfahren, welches eine valide, statistische Auswertung der Ergebnisse im Vergleich zur Bevölkerung der BRD erlaubt.
  3. Der Text, welcher zwar für Fachärzte bestimmt ist, kann auch von Laien oder Patienten verstanden werden.
Im Folgenden wird die Zusammenfassung dieses Vortrages wiedergegeben. (Ergänzung im Kursivdruck von mir eingefügt.)
Die Lebensqualität nach Abdominoplastik – Eine retrospektive Studie
von: Staffler V., Henrich G., Kovacs L., Herschbach P., Machens H.-G., Papadopulos N.
Plastische Chirurgie, Supplement 1, 9. Jahrgang, Sept. 2009, S.60
Dr. R. Kaden Verlag GmbH & Co. KG, Heidelberg
Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Die Lebensqualität des Patienten hat als Therapieziel an großer Bedeutung gewonnen. Im Jahr 2007 konnte in einer Studie von Papadopulos et al. aufgezeigt werden, dass elektive Eingriffe in der plastisch-ästhetischen Chirurgie einen Einfluss auf das multi-dimensionale Konstrukt der Lebensqualität haben. Das Ziel der gegenwärtigen Studie ist es die Ergebnisse der Studie von Papadopulos et al. Weiterzuführen und die Lebensqualität nach durchgeführter Abdominoplastik zu untersuchen.

Material und Methodik: Bei dieser retrospektiv ausgelegten Studie haben insgesamt 144 Patienten die Kriterien zur Teilnahme erfüllt und 63 davon haben sich bereiterklärt nach einer zwischen 1995 und 2008 an der Klinik und Poliklinik für Plastische Chirurgie am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München durchgeführten Abdominoplastik teilzunehmen. Anhand eines Fragebogens wurden einerseits demografische und sozioökonomische Daten erhoben, andererseits durch den FLZ (Fragebogen zur Lebensqualität) die Lebensqualität gemessen. Der FLZ besteht aus zwei Modulen („Allgemeiner Teil“ und „Gesundheit“) und jeweils 8 Items, die hinsichtlich der subjektiven Wichtigkeit und der subjektiven Zufriedenheit bewertet werden. Durch diese individuelle Gewichtung wird die Lebensqualität zu einer statistisch verwertbaren und vergleichbaren Größe, die mit Daten einer repräsentativen Stichprobe der BRD. Verwendet wurde der ungepaarte t-Test und die Schwelle für die statistische Signifikanz wurde bei p <0,05 festgelegt.

Ergebnisse: 11 % der Studienteilnehmer sind männlich, 89 % weiblich, das mittlere Alter lag bei ca. 47,46 Jahren. Über 60 % der Befragten gaben dem ästhetischen Operationsergebnis (auf einer Skala von 0 bis 10) 7 oder mehr Punkte, 14,3 % davon sogar 10 Punkte. Nur 6,6 % der Studienteilnehmer würden sich nicht noch einmal für eine Abdominoplastik entscheiden, 87,3 % würden eine Bachdeckenstraffung weiterempfehlen. Im Vergleich zwischen den Summenwerten des allgemeinen Moduls des FLZ und den Normdaten, zeigte sich eine signifikante Verbesserung (p=0,004), sowie auch bei den Items „Wohnsituation“ (p=0,000) und „Familienleben/Kinder“ (p=0,000). Im Rahmen des Moduls „Gesundheit“ konnte bei den Items für „Fortbewegungsfähigkeit“ (p=0,302) und „Unabhängigkeit von Hilfe/Pflege“ (p=0,01) eine signifikante Verbesserung im Vergleich zu den Normdaten festegestellt werde. Die Ergebnisse für die restlichen Items der beiden Module zeigten im Normbergleich durchwegs höhere Scores, jedoch ohne Signifikanz.

Diskussion: Ästhetisch-plastische Eingriffe haben einen positiven Einfluss auf die Wahrnehmung der Lebensqualität der Patienten. Dies kann man aber nicht ohne Einschränkungen bestätigen. Patienten profitieren laut unserer Untersuchung nicht in den Bereichen Freizeit, Freunde, Arbeit, Einkommen und Partnerschaft, sehr wohl aber bei Themen wie Familienleben (p=0,000) und Wohnsituation (p=0,000); sie fühlen sich gesünder, fitter, agiler (p=0,02) und unabhängiger von der Unterstützung anderer (p=0,01). Außerdem werden plastisch-ästhetische Eingriffe sehr gut von den Patienten toleriert, die Komplikationsrate und damit verbundene Re-Operationen sind sehr gering und über zwei Drittel der Befragten würden sich wieder für eine Bauchdeckenstraffung entscheiden.

erstellt: 01-10-2009 21:29
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf