Oberarmtransplantation 3

Oberarmtransplantation 3

Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist sicher eines der weltweit führenden Institute in Sachen technologischer Entwicklungen.

Auf einer Seite des MIT fand ich kürzlich dieses Video. Es zeigt den Prototyp einer Armprothese, mit der die Betroffenen wirklich erstaunliche Dinge machen können. Diese Prothese stellt sicher das Optimum dar, was weltweit gegenwärtig in Sachen Prothesenbau möglich ist. (Interessanterweise wurde diese Prothese von DARPA, einem Forschungs- und Entwicklungszweig des US-Verteidigungsministerium entwickelt-!) Warum sollte man

Oberarmtransplantationen ausführen, wenn es doch solche ausgezeichneten Armprothesen gibt ? Prothesen werden seit langer Zeit verwendet. Seit langem kennt man auch deren Nachteile:

1. Gewicht

Wie schwer ist wohl diese Doppelarmprothese die hier gezeigt wird ? 10kg ? 15 kg ?

Überlegen Sie sich nach Ihrem nächsten Wandertag mit einem 10kg schweren Rucksack, wie sich diese Patienten wohl fühlen wenn sie den ganzen Tag eine solche Prothese umgeschnallt tragen müssen.

2. Sensibilität

Die Patienten in diesem Video können wirklich erstaunliche Dinge mit der Prothese machen. Sie können Wäscheklammern öffenen, rollende Scheiben fassen und vieles andere. Dies alles funktioniert aber nur unter Sichtkontrolle. D. h. die Prothese vermittelt keine Sensibilität. Nehmen wir an dieser Patient muss in der Nacht aufstehen um etwas zu erledigen. Nehmen wir an er hat Zeit und Geduld, sich die schwere, komplizierte Prothese selbst anzulegen. Wie wird er wohl den Lichtschalter finden ?

3.Die Bewegungen der Prothese werden zwar vom Betroffenen gesteuert, aber die Bewegungsenergie muss von speziellen, schwere Batterien geliefert und mittels Motoren umgesetzt werden. Diese komplexe Technologie ist störanfällig. D. h. Batterien müssen regelmäßig aufgeladen werden, Motoren gewartet und bewegliche Teile erneuert werden. Und was passiert, wenn ein Teil im Urlaub kaputt geht ?

4.Ein besonders wichtiges Problem von Handprothesen ist schließlich, dass bei regelmäßigem Gebrauch die "Außenhaut" der Prothese an der Hand rasch verschmutzt, abgescheuert wird, also verschleißt.

 

Selbstverständlich sind auch noch andere (militärische und nicht militärische) Anwendungsgebiete derartiger Systeme denkbar. Aber im Hinblick auf den prothetischen Ersatz bei Extremitätenverlust bleiben auch mit diesen Geräten viele Probleme ungelöst.

 

 

erstellt: 02-01-2010 16:43
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf