Nadelfasziotomie bei Morbus Dupuytren

Nadelfasziotomie bei Morbus Dupuytren

Gelegentlich werde ich von Patienten nach meiner Meinung zur Methode der Nadelfasziotomie bei der Behandlung der Dupuytren´schen Kontraktur gefragt. Im folgenden einige Informationen dazu:

Bereits im Jahr 1832 beschrieb der französische Chirurg Guillaume Dupuytren, nach dem diese Erkrankung benannt wurde, zum ersten Mal die Durchtrennung der erkrankten Bindegewebsstränge der Hand als Behandlungsmethode. Seit dieser Zeit wurden die verschiedensten Behandlungsverfahren ausprobiert. Die operative Behandlung der Dupuytren´schen Kontraktur hat sich dabei als die effektivste herauskristallisiert. Während man bei der Fasziotomie das befallene Gewebe belässt und die Bindegewebsstränge nur durchtrennt, führt der Chirurg bei der Fasziektomie (oder Aponeurektomie) eine mehr oder minder radikale Entfernung des Bindegewebes aus.

Wie bereits erwähnt ist die Überlegung, die erkrankten und geschrumpften Bindegewebsstränge zu durchtrennen und dadurch eine Verbesserung der Fingerstreckung zu erreichen nicht neu. Relativ neu (oder vielleicht en vogue) ist im Zeitalter minimal invasiver Eingriffe die Methode diese Durchtrennung mit einer scharfen Nadel, welche man durch die Haut einsticht auszuführen. Diese Methode wurde vor ca. 15 Jahren erstmalig von französischen Chirurgen beschrieben.

Das Video ist aus verschiedenen Gründen recht interessant:

1. Es handelt sich um einen Eingriff, der unter sterilen Bedingungen gemacht werden sollte.

2. Die Behandlung kann in örtlicher Betäubung ausgeführt werden. (Es ist aber durchaus möglich, die örtliche Betäubung so setzen, dass der Chirurg nicht mehrfach in die empfindliche Hohlhand picksen muss.)

3. Die Methode eignet sich besonders gut bei isolierten Strängen im Bereich der Hohlhand.

4. Mit einer scharf, geschliffenen Nadel wird die Haut durchstochen und gleichsam blind der geschrumpfte Bindegewebsstrang, der in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Fingernerven, Fingergefäßen und Beugesehnen liegt, durchtrennt.

Welche Methode sollte man nun ausführen: Die aufwändige operative Entfernung der erkrankten Stränge oder die einfache, rasche Durchtrennung derselben ? Welche Informationen dazu gibt es in der medizinischen Fachliteratur ? Eine ganze Reihe an Veröffentlichungen zu diesem Thema sind lesenswert, die ich am Ende dieses Textes gesetzt habe. Zwei besonders interessante Links seien stellvertretend aufgeführt:

 

Fazit:

-Die Nadelfasziotomie eignet sich besonders gut für isolierte Stränge in der Hohlhand, weniger für Wucherungen im Fingerbereich. 

-Die Ergebnisse hinsichtlich der Verbesserung der Streckfähigkeit nach Fasziotomie sind an den Fingergrundgelenken besser als an den Fingermittelgelenken.

-Dupuytrenrezidive nach Nadelfasziotomie treten häufiger und früher auf als nach operativer Entfernung der erkrankten Stränge.

-Komplikationen können sowohl nach Operation als auch nach der Nadelfasziotomie auftreten. (Die nach Nadelfasziotomie beschriebenen Beugesehnenverletzungen habe ich allerdings nach Operationen noch nie gesehen !)

-Die Rehabilitationsphase ist nach Nadelfasziotomie kürzer als nach Fasziektomie.

-Die Nadelfasziotomie liefert gute Frühergebnisse. Sie kann vorteilhaft sein für Patienten, welche einen minimal-invasiven Eingriff wünschen und für die Langzeitergebnisse aufgrund fortgeschrittenem Alter oder Erkrankung von geringerer Bedeutung sind.

Literatur:

1: van Rijssen AL, Werker PM. [Treatment of Dupuytren's contracture; an overview of options]. Ned Tijdschr Geneeskd. 2009;153. pii: A129. Dutch. PubMed PMID:19857298.

2: Corrado A, Cantatore FP. [Dupuytren's disease. State of the art and therapeutic perspectives]. Reumatismo. 2007 Apr-Jun;59(2):118-28. Review. Italian. PubMed PMID: 17603691.

3: Campbell A. Re: Two significant complications following percutaneous needle fasciotomy in a patient on anticoagulants. J Hand Surg Eur Vol. 2007 Aug;32(4):480; author reply 480. Epub 2007 Mar 30. PubMed PMID: 17399867.

4: Symes T, Stothard J. Two significant complications following percutaneous needle fasciotomy in a patient on anticoagulants. J Hand Surg Br. 2006 Dec;31(6):606-7. Epub 2006 Oct 10. PubMed PMID: 17045371.

5: van Rijssen AL, Werker PM. Percutaneous needle fasciotomy in dupuytren's disease. J Hand Surg Br. 2006 Oct;31(5):498-501. Epub 2006 Jun 12. PubMed PMID: 16766101.

6: van Rijssen AL, Gerbrandy FS, Ter Linden H, Klip H, Werker PM. A comparison of the direct outcomes of percutaneous needle fasciotomy and limited fasciectomy for Dupuytren's disease: a 6-week follow-up study. J Hand Surg Am. 2006 May-Jun;31(5):717-25. PubMed PMID: 16713831.

7: Foucher G, Medina J, Malizos K. Percutaneous needle fasciotomy in dupuytren disease. Tech Hand Up Extrem Surg. 2001 Sep;5(3):161-4. PubMed PMID: 16520592.

8: Foucher G, Medina J, Navarro R. Percutaneous needle aponeurotomy: complications and results. J Hand Surg Br. 2003 Oct;28(5):427-31. PubMed PMID: 12954251.

9: Foucher G, Medina J, Navarro R. [Percutaneous needle aponeurotomy. Complications and results]. Chir Main. 2001 Jun;20(3):206-11. French. PubMed PMID: 11496606.

10: Hurst LC, Badalamente MA. Nonoperative treatment of Dupuytren's disease. Hand Clin. 1999 Feb;15(1):97-107, vii. Review. PubMed PMID: 10050246.

11: Foucher G, Lallemand S, Pajardi G. [What's new in the treatment of Dupuytren's disease?]. Ann Chir Plast Esthet. 1998 Dec;43(6):593-9. French. PubMed PMID: 9972651.

 

erstellt: 03-01-2010 16:43

Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf