Hautkrebs nimmt dramatisch zu

Hautkrebs nimmt dramatisch zu

Ein Artikel in der März-Ausgabe der Zeitschrift Archives of Dermatology berichtet über eine unerwartete, in ihrem Ausmaß dramatische  Zunahme von Hautkrebs in der nordamerikanischen Bevölkerung.

"Incidence Estimate of Nonmelanoma Skin Cancer in the United States"
Howard W. Rogers, MD, PhD; Martin A. Weinstock, MD, PhD; Ashlynne R. Harris; Michael R. Hinckley, MD; Steven R. Feldman, MD; Alan B. Fleischer, MD; Brett M. Coldiron, MD
Arch Dermatol. 2010;146(3):283-287

 

Es wurden die Datenbanken der US-Krankenkassen Medicare und Medicaid der Jahre1992 sowie 1996-2006 hinsichtlich Hautkrebs-erkrankungen (Basaliome, Spinaliome) untersucht. Melanome wurden dabei ausgeschlossen.

Ergebnisse:
Von 1992-2006 nahm die Anzahl der Haukrebsbehandlungen um 76,9% zu.

Die altersadjustierte Behandlungsrate pro Jahr, pro 100 000 Versicherte verdoppelte sich in diesem Zeitraum nahezu (von 3514 auf 6075).

Allein von 2002 bis 2006 nahm die Anzahl der Behandlungen um 16% zu.

In diesem Zeitraum nahm die Anzahl der Behandlungen je betroffenem Patienten um durchschnittlich 1,5% zu und die Anzahl der Patienten mit zumindest einer Behandlung nahm um 14,3% zu.

 

Zur besseren Einordnung dieser Zahlen erscheint ein kurzer Kommentar meinerseits angebracht:

Zunächst einmal darf aus verschiedenen Gründen davon ausgegangen werden, dass diese Entwicklung in Deutschland ähnlich sein sollte (ähnliche medizinische Versorgung krankenversicherter Patienten, ähnliche Ethnie der Versicherten, ähnliche Sonnenexposition etc.).

Die untersuchten Hautkrebsarten (Basaliome, Spinaliome) entstehen hauptsächlich auf dem Boden einer durch Sonneneinstrahlung bedingten, chronischen Schädigung der Haut. Ein Faktor für die Zunahme dieser Krebsformen dürfte die vermehrten Sonnenexposition der Bevölkerung sein. Gründe hierfür sind zahlreich (vermehrte Freizeit, Änderung des Freizeitverhaltens, braune Haut als Schönheitsideal in der weißen Bevölkerung, etc.).

Darüberhinaus dürften bessere, flächendeckende Vorsorge-untersuchungen zur häufigeren Diagnose und Behandlung dieser Tumoren beitragen.

Ein weiterer, bemerkenswerter Punkt ist in meinen Augen, das Patienten mit diesen Erkrankungen zunehmend mehr als eine Behandlung (Operation) benötigen. Eine ähnliche Entwicklung sehe auch ich in meiner Praxis. Immer häufiger werden mir Patienten mit Hautkrebs zugewiesen, bei denen mehrere Biopsien und Voroperationen, teilweise über lange Zeiträume hinweg ohne Erfolg durchgeführt wurden. Die Ursache hierfür ist fast ausnahmslos eine nicht ausreichende Radikalität der Tumorresektion. Man muss hier klar Ross und Reiter nennen: Meist werden mir diese Patienten von Hautärzten zugewiesen, welche aus Angst, d. h. letztendlich mangelnder operativer Erfahrung keine ausreichend komplette Entfernung des Tumores erzielen. Besonders ärgerlich ist das vor allem für viele (meist privat versicherte) Patienten, die hierfür teilweise wochenlang in dermatologischen Kliniken stationär kaserniert werden.

Ich würde mir wünschen, dass sowohl niedergelassene Hautärzte als auch in Kliniken tätige Dermatologen besser ihre Grenzen erkennen und früher viele dieser Patienten an operativ versiertere Plastische Chirurgen weiterleiten.

 

 

erstellt: 18-03-2010 16:30
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf