Brustvergrößerung mit eigenem Fettgewebe

Brustvergrößerung mit eigenem Fettgewebe

Bericht der Arbeitsgruppe "Eigenfettverpflanzung" der American Society of Plastic Surgeons mit dem Titel: "Gegenwärtige Anwendungen und Sicherheit der Eigenfettgewebstransplantation: Ein Bericht der ASPS Arbeitsgruppe-Fetttransplantation.

 

Der Artikel ist zu finden unter:

 

http://www.plasticsurgery.org/Documents/medical-professionals/health-policy/guiding-principles/Current-Applications-and-Safety-of-Autologous-Fat.pdf


Es klingt verlockend:

Fettgewebe wird im Bereich von überflüssigen Fettpolstern abgesaugt und dann zur Vergrößerung der Brust verwendet.

Die Methode der Eigenfettgewebsverpflanzung ist ja nicht neu. Auch die Verwendung von Eigenfett zur Brustvergrößerung wurde bereits vor vielen Jahren beschrieben. Interessant ist, dass diese Verfahren in letzter Zeit wieder mehr Anhänger finden und häufiger propagiert werden.

Die American Society of Plastic Surgeons hat eine Arbeitsgruppe gegründet, welche sich mit dem Thema der Fettgewebstransplantation beschäftigt. Diese hat zu diesem Thema im letzten Jahr (2009) einen Bericht veröffentlicht (siehe oben), der eine Zusammenstellung der medizinischen Fachliteratur enthält und den gegenwärtigen Stand der Wissenschaft zu diesem Thema sehr gut beschreibt.

 

Einige Auszuge dieses Berichtes in Übersetzung (Anmerkungen durch mich wurden kursiv in Klammern gesetzt):

-"Die zur Verfügung stehende Literatur (zum Thema: Brustvergrößerung mit Eigenfett) besteht hauptsächlich aus Serien klinischer Fälle, Fallberichte und Expertenmeinungen und beschreibt Eigenfettverpflanzung für unterschiedliche Indikationen an der weiblichen Brust, sowohl im kosmetischen als auch rekonstruktiven Bereich"

-"Von 283 Fällen (aus der medizinischen Literatur) hatten die meisten zufriedenstellende Ergebnisse.

-"Der Nachuntersuchungszeitraum lag zwischen 1 Monat und 10 Jahren".

-36 Komplikationen (12,7%) oder ungünstige Ereignisse wurden berichtet. Drei (1,1%) Infektionen, 14 (4,9%) Kalzifikationen (=Verkalkungen im Brustgewebe aufgrund der Fettinjektionen), 16 (5,7%) Fettnekrosen (=abgestorbenes Fettgewebe) und 3 (1,1%) unspezifische, oberflächliche Knotenbildungen."

-"Da die Dauerhaftigkeit der Transplantate (Fettgewebe) unbekannt ist, können zusätzliche Behandlungen zur Erreichung des gewünschten Ergebnisses erforderlich werden. Darüberhinaus kann im Laufe der Zeit eine Veränderung des Körpergewichtes sich auf das Transplantatvolumen auswirken."

-"Basierend auf der beschränkten Zahl der Studien mit wenigen Patienten erscheint die Eigenfettverpflanzung eine Erkennung von Brustkrebs nicht zu behindern."

-"Aufgrund einer Prüfung der heutigen wissenschaftlichen Fachliteratur sowie aufgrund fehlender harter Fakten zu diesem Thema kann die Arbeitsgruppe keine spezifischen Empfehlungen hinsichtlich dem klinischen Gebrauch der Eigenfettverpflanzung geben. ..."

 

Kommentar:

Wenn es um die Frage der Brustvergrößerung geht, so muss sich diese Methode der Eigenfetttransplantation mit der bewährten Methode der Brustvergrößerung mit Silikonkissen messen und vergleichen lassen.

Ein derartiger Vergleich ist aufgrund (noch) fehlender randomisierter, kontrollierter Studien (Level of Evidence I°) bei Fettverpflanzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich. Weitere Studien sind zu diesem Zweck erforderlich.

Trotzdem darf auf folgende Aspekte hingewiesen werden:
-Ein mehr oder minder großer Anteil des injizierten Fettgewebes wird im Körper resorbiert. D. h. Die Größe der Brust nimmt nach der Behandlung wieder deutlich ab. Im Gegensatz dazu bleibt die Brustgröße nach Augmentation mit Silikonimplantat konstant.

-Das injizierte Fettgewebe bildet im Laufe der Zeit Mikroverkalkungen im Brustgewebe. Dies könnte grundsätzlich problematisch sein, da auch Brustkrebs häufig zu Mikroverkalkungen führt. Aufgrund der wenigen bislang zur Verfügung stehenden Studien scheinen allerdings Mikroverkalkungen nach Fettgewebsverpflanzungen von Verkalkungen im Zusammenhang mit Brustkrebs gut abgrenzbar zu sein.

-Neben vergleichbaren Risiken hinsichtlich Infektionen bzw. Wundheilungsstörungen besteht bei der Brustvergrößerung mit Eigenfett das Risiko der Einschmelzung des verpflanzten Fettgewebes und der Ausbildung von "Ölzysten". Es scheint Hinweise darauf zu geben, dass größere Mengen an eingespritztem Fettgewebe häufiger zu derartigen Problemen führen könnten. Aus diesem Grund führe ich persönlich zum gegenwärtigen Zeitpunkt (April 2010) die Methode der Brustvergrößerung mit Eigenfettgewebe nur dann aus, wenn eine mäßige Brustvergrößerung (maximal 100 ml pro Seite) gewünscht wird. Für größere Augmentationen ist dieses Verfahren meines Erachtens keine Alternative zur Brustvergrößerung mit Silikonimplantat.

 

erstellt: 14-04-2010 16:27
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf