Beteiligung ästhetisch-chirurgischer Patienten an Folgekosten, II Folgekostenversicherung

Beteiligung ästhetisch-chirurgischer Patienten an Folgekosten, II Folgekostenversicherung

Bezüglich der gesetzlichen Grundlagen der Beteiligung von Patienten nach ästhetischen Operationen an Folgekosten informieren Sie sich bitte unter:

Folgekosten I. Wie wird diese Regelung nun konkret umgesetzt ?

 

Zunächst, eine belastbare Rechtsprechung zu dieser Frage liegt bis heute (Stand 27. Januar 2011) noch nicht vor.

 

Einige Zitate Stellungnahmen der Krankenkassenverbände:

"Die Spitzenverbände der Krankenkassen halten es für vertretbar, dass von den Versicherten grundsätzlich ein 50%iger Eigenanteil an den Behandlungs- und Nebenkosten gefordert wird, soweit nicht auf Grund der der Krankenkasse bereits bekannten
Verhältnisse ein anderer Prozentsatz angemessen erscheint."

 

"Bestimmung einer kalenderjährlichen (nicht behandlungsbezogenen) Zumutbarkeitsgrenze für außergewöhnliche Belastungen entsprechend § 33 Abs. 3 des Einkommensteuergesetzes. Dementsprechend beträgt die jährliche Zumutbarkeitsgrenze bei einem Einkommen von
a) bis 15.340,-- €
5 % des Einkommens Alleinstehender ohne Kinder,
4 % des Einkommens Verheirateter ohne Kinder,
2 % des Einkommens Versicherter mit ein oder zwei Kindern,
1 % des Einkommens Versicherter mit drei oder mehr Kindern;
b) über 15.340,-- € bis 51.130,-- €
6 % des Einkommens Alleinstehender ohne Kinder,
5 % des Einkommens Verheirateter ohne Kinder,
3 % des Einkommens Versicherter mit ein oder zwei Kindern,
1 % des Einkommens Versicherter mit drei oder mehr Kindern;
c) über 51.130,-- €
7 % des Einkommens Alleinstehender ohne Kinder,
6 % des Einkommens Verheirateter ohne Kinder,
4 % des Einkommens Versicherter mit ein oder zwei Kindern,
2 % des Einkommens Versicherter mit drei oder mehr Kindern.

 

Zur Absicherung dieses Risikos wird mittlerweile von verschiedenen Versicherern eine sogenannte Folgekostenversicherung angeboten. Diese soll das Risiko eventueller Regressforderung der Krankenkassen im Falle einer behandlungsbedürftigen Komplikation nach ästhetisch-chirurgischen Eingriffen abdecken.

Anbieter dieser Versicherungen finden Sie unter:

1. http://www.folgekostenversicherung.de/

2. http://www.medassure.de/medassure/

 

Die Kosten einer derartigen Versicherung betragen

bei 1. 78 Euro

bei 2. 80-180 Euro

 

Ob eine derartige Versicherung abgeschlossen werden soll muss letztendlich der/die Patient/in individuell selbst entscheiden.

Dabei ist z. B. zu berücksichtigen:

 

- Wie erfahren ist der Arzt ?

Die Versicherung ist m. E. unbedingt empfehlenswert bei Billiganbietern von ästhetisch-chirurgischen Operationen oder Operationen im Ausland.

 

- Wie wahrscheinlich sind Folgekosten bzw. wie wahrscheinlich sind Komplikationen ?

Natürlich möchten weder Patient noch der Arzt eine Komplikation die Folgekosten mit sich bringt haben. Trotzdem muss man sich darüber Gedanken machen und darüber sprechen.

Grundsätzlich gilt z. B.: Je größer/langwieriger/komplizierter der Eingriff, desto häufiger sind, rein statistisch gesehen auch Komplikationen.

Z. B. sind extreme Fettabsaugungen von mehr als 5 Litern statistisch betrachtet mit wesentlich höheren Komplikationsraten behaftet als wenn man diese Maßnahmen in zwei oder evtl. sogar drei Operationen ausführt.

Auch die Lokalisationen und Größe der Wunde spielt eine Rolle hinsichtlich der Komplikationsrate: Beispielsweise treten nach Operationen in unmittelbarer Nachbarschaft der Anogenitalregion (z. B. Straffung Oberschenkelinnenseite) statistisch betrachtet Wundheilungsstörungen etwas häufiger auf als etwa nach Bruststraffungen.

 

Welche Kosten haben die Krankenkassen seit in Kraft treten dieses Gesetzes bisher gefordert ?

Dazu eine Stellungnahme:

"...Die Erfahrungen zeigen eine durchschnittliche Regressnahme in Höhe von 3.000€. Zu beobachten ist aber eine sehr unterschiedliche Vorgehensweise der einzelnen Krankenkassen, das geht von kompletter Ablehnung bis zur ordentlichen Bearbeitung gemäß der Anlage (siehe Download oben). PKVen handeln noch uneinheitlicher. ..."

 

erstellt: 27-01-2011 16:28
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf