Kollagenase für Dupuytren-Kontraktur in Deutschland zugelassen

Kollagenase zu Behandlung der Dupuytren-Kontraktur in Deutschland zugelassen

Seit Mai 2011 ist Kollagenase als Medikament zur konservativen Behandlung der Dupuytren-Erkrankung in der EU zugelassen.

Der Hersteller hat nun eine Kampagne zur Einführung dieses Medikamentes eröffnet. Ich hatte ja hier in meinem Blog bereits vor über einem Jahr einen Beitrag zum Thema Dupuytren und Kollagenase geschrieben.

Behandlungsprinzip der Kollagenasetherapie

Gut tastbare, direkt unter der Haut gelegene, isolierte Dupuytren-Stränge sind am Besten mit dieser Methode zu behandeln.

Zunächst wird das Medikament direkt in den Strang injiziert.

Es soll dann 24-48 Stunden einwirken.

Anschließend wird eine örtliche Betäubung am Finger gesetzt und der Finger vom Arzt kräftig gestreckt. Dabei kommt es im Idealfall zum Zerreißen des Dupuytren-Stranges und zur Verbesserung der Streckfähigkeit.

Das erkrankte Dupuytren-Gewebe wird belassen.

 

Risiken der Kollagenase bei Dupuytren

Die wenigen, bislang vorhandenen Ergebnisse der Dupuytren-Behandlung mit Kollagenase beschreiben relativ geringe Komplikationsraten. In Einzelfällen ist es etwa zur Zerreißung der Beugesehne gekommen oder zu Gelenkkapselschäden. Bei sehr weit eingezogenen Fingern mit geschrumpfter Haut, kann die Haut beim forcierten Strecken reißen.

Auffällig ist eine ausgeprägte Schwellung evtl. auch mit Bluterguss 24-48 Stunden nach der Injektion, sowie gelegentliche Lymphknotenschwellungen.

 

Meine persönliche Einschätzung

Wenn man sich die Videos ansieht ist man zunächst beeindruckt. Mit einem Knacken gibt der Finger nach und kann, in den sicher ausgewählten und im Video dargestellten Fällen, häufig wieder komplett gestreckt werden.

Die Komplikationsraten und Rezidivraten werden als gering beschrieben.

Man muss sich allerdings im Klaren darüber sein, dass es sich noch um ein ganz neues Verfahren handelt (Stand: Sommer 2011). D. h. es liegen weder hinsichtlich der Risiken und Komplikationsraten noch hinsichtlich der Rezidivraten Langzeitergebnisse vor. Wie sich Kollagenase für die Dupuytren-Behandlung bewähren wird, wenn es von einer breiten Masse von Anwendern benutzt wird ist noch völlig unklar. Ferner erscheint es logisch, dass häufiger Rezidive zu erwarten sind wenn die erkrankten Stränge nur zerrissen werden als wenn sie im Rahmen einer Operation komplett entfernt werden.

 

Schließlich wird auch der finanzielle Aspekt, gerade heute im Gesundheitswesen ein wichtiger Gesichtspunkt, eine wichtige Rolle spielen.

Nach ersten Informationen soll eine Ampulle des Medikamentes über 1000 Euro kosten. Pro Behandlung wird mindestens eine Ampulle benötigt. Das bedeutet, die Injektion einer Ampulle Kollagenase wäre um ein vielfaches teuerer als die Gesamtkosten (Beratung, Plexusanästhesie, Operation, Nachsorge) welche die gesetzlichen Krankenkassen für eine derartige Behandlung unter ambulanten Bedingungen bezahlen.

 

Abschließend sei erwähnt, dass die medikamentöse Behandlung der Dupuytren-Kontraktur mit Kollagenase nicht mit der Entfernung der erkrankten Stränge (Palmaraponeurektomie) vergleichbar ist. Vielmehr ist das Vergleichsverfahren bezüglich medizinischer Aspekte wie Erfolg, Risiken, Rezidivrate aber auch bezüglich Kosten die perkutane Nadelfasziotomie.

Die Behandlung der Dupuytren Kontraktur mit Kollagenase erscheint zum gegenwärtigen Zeitpunkt in meinen Augen keinen Vorteil gegenüber der perkutanen Nadelfasziotomie zu haben.

Aber wie gesagt man wird sehen, welche Ergebnisse eine breitere Anwendung bringt.

Ich verwende die Kollagenasetherapie beim M. Dupuytren in meiner Praxsis zunächst noch nicht sondern bevorzuge, wenn indiziert, die PNF.

Ich möchte zunächst die weitere Entwicklung bei der Kollagenase-Behandlung des Dupuytren Erkrankung hinsichtlich Risiken, Rezidivraten und Kosten erst noch abwarten.

 

erstellt: 25-07-2011 17:04
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf