Neue Studie: Möglicherweise senkt Fettabsaugung das Herzinfarkt-Risiko

Neue Studie: Möglicherweise senkt Fettabsaugung das Herzinfarkt-Risiko

Die Fettabsaugung wird in der Regel als eine rein ästhetische Operation betrachtet. Eine neue Studie gibt allerdings nun Hinweise darauf, dass die Liposuction auch beträchtliche medizinische Vorzüge haben könnte.

Es wurde dabei im Rahmen einer prospektiven Studie gezeigt, dass Fettabsaugung oder Bauchdeckenstraffungsoperationen zu einer deutlichen Reduktion der Triglycerid-Spiegel sowie der Zahl der weißen Blutkörperchen im Blut führen kann.

 

Normalerweise bin ich bei derartigen, "Lobpreisungen" ästhetisch-chirurgischer Maßnahmen grundsätzlich immer etwas skeptisch.

Diese Studie "Prospective Clinical Study Reveals Significant Reduction in Triglyceride Level and White Cell Count after Liposuction and Abdominoplasty, No Change in Cholesterol Levels," wurde am 25.9. auf der Jahrestagung der American Society of Plastic Surgeons (ASPS), also der amerikanischen Fachgesellschaft der Plastischen Chirurgen präsentiert. Dieser Kongress einer angesehenen Fachgesellschaft für Plastische Chirurgie ist nun aber sicherlich keine Werbeveranstaltung für Liposuction.

 

Worum geht es?

Es ist bekannt, dass hohe Triglycerid-Fettspiegel einhergehen mit einem erhöhten Risiko hinsichtlich Herz-Kreislauferkrankungen.

Die Autoren dieser Studie fanden eine deutliche Abnahme dieser Triglycerid-Fettspiegel nach Fettabsaugung. Das bedeutet mit anderen Worten, dass eine dauerhafte Entfernung von Fettgewebe durch Fettabsaugung oder Bauchstraffung große Auswirkungen auf die Menge der im Blut zirkulierenden Triglyceride hat.

 

Die Studie untersuchte Triglycerid und Cholesterol-Spiegel bei 322 Patienten mit Fettabsaugung bzw. Bauchstraffung.

Die Triglycerin-Spiegel derjenigen Patienten, welche vor der Operation im Normbereich lagen, blieben auch nach der Operation normal.

Bei jenen Patienten jedoch, welche vor der Operation erhöhte Triglycerin-Spiegel aufwiesen (>150mg/dl) führte die Operation zu einer im Durchschnitt 43% Senkung der Triglycerinwerte. Diese Senkung entspricht etwa dem Doppelten des Effektes, welcher mit Medikamenten erreicht wird, die normalerweise zur Senkung der Triglycerin-Spiegel verordnet werden.

Die Autoren wiesen aber darauf hin, dass bei Patienten mit sehr hohen Triglycerinwerten eine Fettabsaugung nicht diese Medikamente ersetzen kann.

Diese Resultate legen nahe, dass Patienten mit geringgradig erhöhten Triglycerid-Spiegel, die eine Fettabsaugung bekommen, durch die Operation möglicherweise auch diese Gesundheitsrisiken mindern.

Die Fettabsaugung hätte somit unter bestimmten Bedingungen nicht nur ästhetische sondern auch medizinische Vorteile.

Die Studie zeigte ferner, dass durch eine Fettabsaugung die Zahl der weißen Blutkörperchen im Blut um durchschnittlich 11% verringert wurde.

Eine erhöhte Zahl weißer Blutkörperchen deuten auf eine Entzündung im Körper hin und werden heute in Verbindung gebracht mit Erkrankungen wie: Koronare Herzerkrankungen, Adipositas, Bluthochdruck und Diabetes.

Die Studie konnte keine Änderungen bei Gesamt-Cholesterol, LDL oder HDL nachweisen.

Selbstverständlich sind hier noch weitere Untersuchungen erforderlich um genauere Aufschlüsse hinsichtlich dieser Zusammenhänge zu erhalten.

 

Eine wichtige Frage in diesem Zusammenhang ist, in welcher Art und Weise die Körperfettverteilung an der Entwicklung von Krankheiten teil hat.

Lange Zeit glaubte man, dass "viszerales Fett", welches die Eingeweide direkt umgibt metabolisch bedeutsamer hinsichtlich der Entwicklung von Krankheiten wie Herzinfarkt oder Diabetes wäre als "subkutanes Fettgewebe" welches direkt unter der Haut liegt.

dasd  Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen jedoch, dass möglicherweise subkutanes Fett, welches mit Liposuction entfernt werden kann, von gleicher Bedeutung ist.

 

erstellt: 27-09-2011 14:17
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf