Brustimplantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) und Krebs

Brustimplantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) und Krebs

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Das Thema ob Brustimplantate Krankheiten hervorrufen können wird immer wieder neu diskutiert. Grundsätzlich ist eine wiederholte Prüfung von Medizinprodukten hinsichtlich einer möglichen Gesundheitsschädigung sicher sinnvoll. Jedoch führen manche unvollständigen oder unüberlegten Veröffentlichungen in den Medien nicht selten zu großer Verunsicherung bei vielen Patientinnen. Nun sind die Implantate der französischen Firma Poly Implant Prothese (PIP) wieder in aller Munde. Worum handelt es sich dabei genau?

Am 29.03.2010 hatte die französische Gesundheitsbehörde Afssaps das Ruhen des Vertriebs und der Anwendung mit Silikongel gefüllter Brustimplantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) angeordnet.

Diese Entscheidung wurde getroffen, weil im Jahre 2009 ein erhöhtes Auftreten von Rupturen der Implantathüllen beobachtet wurde. Es wurde gefunden, dass die von Poly Implant Prothèse eingesetzte Gel-Füllung von der Füllung abwich, wie sie sowohl in den Produkt-Auslegungsunterlagen als auch in den Herstellungsunterlagen für diese Implantate angegeben ist.

Mit anderen Worten, die Firma hatte minderwertige Materialien für ihre Implantate verwendet und diese falsch deklariert.

(Implantate mit dem Namen "M-Implants" der niederländischen Firma Rofil Medical sind mit den oben genannten Implantaten identich. Die Empfehlungen der Afssaps gelten daher für die Brustimplantate M-Implants entsprechend.)

Es wurde empfohlen, dass diejenigen Frauen mit Implantaten der Firma PIP alle 6 Monate eine klinische Untersuchung inklusive Ultraschalluntersuchung machen lassen sollten. Ferner sollte bei Implantatruptur oder Verdacht auf Undichtigkeit das Implantat entfernt werden. In einer jüngeren Stellungnahme wird nun empfohlen eine vorbeugende Entfernung der Implantate zu erwägen.

Genaueres siehe unter:

http://www.afssaps.fr/var/afssaps_site/storage/original/application/935c677348197cf4999aab8ba61a6c7a.pdf

 

Am 14.12.2011 teilte das französische Gesundheitsministerium mit, dass es bei vielen dieser Patientinnen zu Implantatrupturen oder entzündlichen Reaktionen gekommen ist. Bis dato traten bei 8 Patientinnen mit Implantaten der Firma PIP Krebserkrankungen auf. Genaueres unter:

http://www.afssaps.fr/var/afssaps_site/storage/original/application/8fb2ecf6166261551aa9b0bbb070be2d.pdf

http://www.afssaps.fr/var/afssaps_site/storage/original/application/6f55d62c49ec2839c71370b41083798a.pdf

 

Aufgrund einer verständlichen Verunsicherung von Patientinnen mit Brustimplantaten der Firma PIP im Speziellen, aber auch Brustimplantatträgerinnen im Allgemeinen stellen die französischen Behörden umfangreiches Informationmaterial auf ihren Seiten zur Verfügung.

Siehe unter:

http://www.afssaps.fr/

http://www.afssaps.fr/var/afssaps_site/storage/original/application/af6924e015c8b08adbf3321c3f114142.pdf

 

Regelmäßige Leser meines Blogs sind über die Frage: Brustimplantate und Krebs und über das Thema: Ist eine regelmäßige Kernspintomografie zur Kontrolle von Brustimplantaten erforderlich? vorinformiert.

 

Im oben berichteten Fall der Implantate der französischen Firma PIP erscheint zweifelsohne eine Häufung von 8 Krebsfällen (davon allerdings 5 Brustkrebsfälle) auffällig.

Es ist aber klar darauf hinzuweisen, dass sich dies ausschließlich auf Implantate der französischen Firma PIP (bzw. die M-Implantate von Rofil) bezieht. Diese Firma hat hier offensichtlich nicht korrekt (möglicherweise kriminell) gehandelt.

 

Was sollten nun Patientinnen mit Silikongelimplantaten tun?

Ich würde die folgenden Empfehlungen geben:

1. Lassen Sie sich grundsätzlich nicht von undifferenzierten Berichten in den Medien verrückt machen!

2. Grundsätzlich sind Brustimplantate sicher!

So schreibt z. B. das amerikanische Gesundheitsministerium (eines der weltweit striktesten): "Based on the totality of the evidence, the FDA believes that silicone gel-filled breast implants have a reasonable assurance of safety and effectiveness when used as labeled."

3. Wenn Sie Brustimplantatträgerin sind müssen Sie von Ihrem Arzt einen Implantatpass nach der Brustvergrößerung erhalten haben. Sehen Sie sich diesen an. Wenn Sie Implantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) oder Implantate mit dem Namen M-Implants der Firma Rofil Medical haben , sollten Sie sich umgehend an Ihren Arzt wenden. Wenn Sie Implantate einer anderen Firma erhalten haben, besteht kein Handlungsbedarf.

Wenn Sie keinen Implantatpass erhalten haben sollten, gehen Sie zu Ihrem Operateur und verlangen, dass Sie umgehend einen Implantatpass erhalten. Ihr Arzt ist dazu verpflichtet!

4. Wenn Sie sich mit dem Gedanken tragen eine Brustvergrößerung machen zu lassen, verlangen Sie von Ihrem Arzt, dass dieser Implantate von einem renommierten Hersteller verwendet.

 

Das französische Gesundheitsministerium soll am 23.12. eine neue Stellungnahme herausbringen.

Ich werden hier berichten, sobald ich nähere Informationen habe.

 

 

erstellt: 21-12-2011 15:26
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf