Aktuelle Meldung: Das französische Gesundheitsministerium empfiehlt die Entfernung von PIP-Implantaten

Aktuelle Meldung: Das französische Gesundheitsministerium empfiehlt die Entfernung von PIP-Implantaten

Logo des französischen Gesundheitsministerium

Die Probleme mit Brustimplantaten der Firma PIP bzw. Rofil sind mittlerweile von den Medien aufgegriffen worden. Zahlreiche mehr oder minder emotional belastete Beiträge wurden veröffentlicht. 

Bezüglich der Vorgeschichte siehe: "Brustimplantate der Firma Poly Implant Prothèse (PIP) und Krebs". Das französische Gesundheitsministerium hat heute am 23.12.2011 eine neue Stellungnahme mit Empfehlungen für Patientinnen mit Silikongel-Brustimplantaten der Firma PIP (Rofil) herausgegeben, die im folgenden kurz wiedergegeben werden sollen:

Den Originaltext findet sich unter:

http://www.sante.gouv.fr/actualisation-des-recommandations-pour-les-femmes-porteuses-de-protheses-mammaires-poly-implant-prothese-pip.html

 

Folgende Aussagen und Empfehlungen wurden gegeben:

"Als vorbeugende Maßnahme ohne Notfallcharakter wünscht das französische Gesundheitsministerium, dass allen betroffenen Frauen (mit PIP-Implantaten), auch solchen ohne klinische Symptome eine Entfernung dieser Implantate vorgeschlagen werden soll".

 

"Die Stellungnahme vom 22.12.2011 besagt, dass es bislang bei PIP-Implantatträgerinnen im Vergleich zu Frauen mit anderen Implantaten keinen Hinweis auf ein höheres Krebsrisiko gibt. Allerdings bestehen die bei den PIP-Implantaten bekannten Risiken einer Implantatruptur mit Austritt von gewebereizendem Silikongel. Diese können zu Entzündungsreaktionen führen und eine Implantatentfernung erschweren."

 

1. Implantatträgerinnen müssen die Marke der Brustprothese auf ihrem Implantatpass nachsehen. Wenn sie keinen Implantatpass besitzen müssen sie ihren Arzt oder das Krankenhaus kontaktieren.

Patientinnen mit PIP-Implantaten müssen ihren Arzt aufsuchen.

Bei dieser Gelegenheit wird ihnen dann, auch ohne klinische Symptome eine Implantatentfernung vorgeschlagen werden. Wenn sie keine Implantatentfernung wünschen muss alle 6 Monate eine Ultraschallkontrolle der Brust und der Achselhöhle erfolgen. Jede Implantatruptur, jeder Verdacht auf Ruptur oder Austritt von Silikongel muss zur Implantatentfernung des betroffenen Implantates aber auch des Implantates auf der anderen Seite führen. Vor jeder Implantatentfernung ist eine bildgebende Untersuchung durchzuführen.

 

2. Es werden Organisationsstrukturen geschaffen, welche allen Patienten mit PIP-Implantaten eine vorsorgliche Implantatentfernung ermöglichen.

Ab Anfang Januar wird eine Telefonhotline für all jene Implantatträgerinnen geschaffen die Schwierigkeiten haben einen Arzt zu finden. Dort können  die Betroffenen eine Liste von Einrichtungen erhalten, welche Implantatenfernungen durchführen.

 

3. Ein Implantatregister wird geschaffen, welches rupturierte Implantate erfasst. Gesundheitseinrichtungen und deren Personal wurde hierüber informiert. Die Kosten (für die Implantatentfernung) werden von der Krankenkasse getragen. Bei betroffenen Frauen nach Brustkrebs werden die Kosten für eine Implantation einer neuen Silikongelprothese übernommen.

Frei praktizierende plastische Chirurgien sollen die üblichen Rahmen der Gebührenordnung nicht überschreiten.

 

Das Untersuchungskomitee wird sich am 5.1.2012 erneut zusammenfinden um eine neue Einschätzung der Situation vorzunehmen.

-------------------------------------------------------------------------------------------

 

Das bedeutet, dass die französischen Behörden nun in sofern Tatsachen geschaffen haben, als sie jetzt allen Patientinnen mit PIP-Implantaten die Entfernung dezidiert empfehlen. Dass die Behörden hierfür die Kosten übernehmen belegt dass diese Massnahme medizinisch begründet ist.

 

Mein Kommentar:

Ich erinnere mich noch gut an die mit Sojaöl gefüllten Implantate, die in den 90er Jahren Verwendung fanden. Auch diese Implantate mussten vom Markt genommen werden. Auch diese Implantate mussten damals operativ entfernt oder ausgewechselt werden.

 

Das französische Gesundheitsministerium empfiehlt unter anderem das, was ich bereits in meinem letzten Blogbeitrag den Patientinnen geraten habe:

-Im Implantatpass nachsehen

-Falls ein PIP-Implantat verwendet wurde zum Arzt gehen und sich beraten lassen.

 

Noch eine kurze Bemerkung zu der jetzt ausgesprochenen Begründung des französischen Gesundheitsministeriums:

Die Begründung ist, dass diese Implantate häufig platzen können so dass Silikongel ins Gewebe austritt und hier Entzündungen verursachen kann. Dass es bei Implantaten der Firma PIP aufgrund minderwertiger, verwendeter Materialien zu vermehrten Rupturen der Brustprothesen kommt ist ja nicht neu. Das ist seit vielen Monaten bekannt. (Darüberhinaus liegen keine weiteren Begründungen vor, warum die Implantate entfernt werden müssen.) Man könnte natürlich fragen, warum die französischen Behörden so lange gewartet haben mit dieser Empfehlung. Möglicherweise ist hier einfach der Druck der Öffentlichkeit (vor Weihnachten) sehr groß geworden.

Gespannt bin ich wie sich die deutschen Behörden verhalten. Die Firma PIP ist ja pleite. In Deutschland haben wir ein Gesetz welches regelt, dass medizinische Folgekosten nach ästhetisch-chirurgischen Eingriffen von den Betroffenen selbst zu tragen sind. Siehe Folgekosten I und Folgekosten II.

Werden die deutschen Krankenkassen die Kosten für die Implantatentfernung übernehmen oder das Gesetz streng anwenden?

Wenn hier eine Gesetzesausnahme gemacht wird, warum?

 

 

erstellt: 23-12-2011 15:28
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf