Biofilmbildung nach Behandlung mit Faltenfiller

Biofilmbildung nach Faltenfiller

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Kürzlich erschien eine neue Studie aus der Universität Kopenhagen mit dem Titel: "Bacterial biofilm formation and treatment in soft tissue fillers".

Was sind Biofilme? Warum sind diese in der Medizin von Interesse? Biofilme bestehen aus einer Schleimschicht (Film), in der Mikroorganismen (z. B. Bakterien) eingebettet sind. Biofilme entstehen, wenn Mikroorganismen sich an Grenzflächen ansiedeln. Sie bilden sich häufig in wässrigen Systemen auf einer Grenzfläche zu einem festen Körper. Biofilme bieten den Bakterien einen ausgezeichneten Schutz gegen die Umwelt (z. B. auch gegen Antibiotika). Biofilme stellen nicht nur in der chemischen Industrie oder bei der Lebensmittelherstellung ein Problem dar, sondern auch in der Medizin, denkt man etwa an die zahlreichen Implantate und Materialien die in den Körper eingebracht werden können. Bildet sich an der Oberfläche von Hüftprothesen, Kathetern, Herzschrittmachern, Brustimplantaten, etc. ein Biofilm aus, so wird dies heute als eine der wesentlichen Ursachen für Komplikationen wie Gelenkprothesenlockerung, Infektionen oder Kapselfibrosen bei Brustimplantaten betrachtet. In einem Beitrag zum Thema Kapselfibrose bei Brustvergrößerung hatte ich bereits auf das Problem der Biofilmbildung hingewiesen.
 
Nun ist eine Studie erschienen, welche resorbierbare, semiresorbierbare und permanente Mittel, die zur Faltenunterfütterung verwendet werden, untersucht hat. Dabei wurde gezeigt, dass diese Gele wie ein Inkubator für Bakterien wirken können. In einem Tierversuch wurde nachgewiesen, dass: "When contaminated gels were left for 7 days in a mouse model, we found sustainment of bacterial infection with the permanent gel, less with the semi-permanent gel, and no growth within the temporary gel. Evaluation of treatment strategies showed that once the bacteria had settled (into biofilms) within the gels, even successive treatments with high concentrations of relevant antibiotics were not effective. Our data substantiate bacteria as a cause of adverse reactions reported when using tissue fillers, and the sustainability of these infections appears to depend on longevity of the gel. Most importantly, the infections are resistant to antibiotics once established but can be prevented using prophylactic antibiotics."
 
Obwohl aufgrund dieser ersten Ergebnisse im Tierversuch noch keine allgemeinen Empfehlungen getroffen werden sollten, weisen sie doch auf einige wichtige Aspekte hin:
1. Dauerhafte (und bis zu einem gewissen Grad auch semipermanente) Faltenfiller scheinen stärker das Risiko einer dauerhaften Keimbesiedelung zu tragen. Resorbierbare Faltenfiller haben demgegenüber auch hier Vorteile.
2. Auch bei Faltenfillern sollte das Risiko einer bakteriellen Biofilmbildung bedacht werden. In diesem Zusammenhang ist (z. B. bei "Fremdkörpergranulomen" nach permanenten Fillern) die Injektion von Corticosteroiden möglicherweise kritischer zu beurteilen.
3. Eine prophylaktische Antibiotikagabe, vor allem bei permanenten Faltenfillern erscheint aufgrund dieser Studie durchaus sinnvoll zu sein.
 
Zusammengefasst : Eine in meinen Augen sehr wichtige Untersuchung, die auch wieder belegt, permanente Faltenfiller äußerst kritisch zu beurteilen. Ich persönlich verwende überhaupt keine permanenten oder semipermanenten Faltenfiller, sondern ausschließlich Hyaluronsäure.
 
Link zur Originalarbeit:
Morten Alhede et al. 2014
Pathogens and Disease
doi: 10.1111/2049-632X.12139
 
erstellt: 04-04-2014 10:55
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf