Biofilmbildung und Brustimplantatoberfläche

Biofilmbildung und Brustimplantatoberfläche

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Biofilme, das scheint im Moment ein interessantes Thema in der ästhetischen Chirurgie zu sein: In der Zeitschrift Plastic Reconstructive Surgery ist jetzt im April ein Artikel erschienen, der den Einfluss der Oberfläche von Brustimplantaten auf die Entwicklung eines Biofilmes untersucht hat. Worum geht es dabei ?

Während früher die Oberfläche der äußeren Hülle von Brustimplantaten aus einem glatten, harten Silikonmaterial bestand (ähnlich der glatten Oberfläche einer Plastiktüte), wurden in den 80er Jahren Implantate mit einer "texturierten" rauhen Oberfläche (ähnlich wie kleinporiger Schaumstoff) eingeführt. Diese werden heute bevorzugt verwendet.
Siehe nebenstehendes Bild.
Oberfläche eines 2Texturierten" Brustimplantates
Oberfläche eines rauhen, "texturierten" Brustimplantates

Es konnte gezeigt werden, dass diese rauhen, texturierten Implantatoberflächen biologische Vorteile und eine verbesserte Biokompatibilität aufweisen. Poröse Silikonkunststoffoberflächen führen gegenüber glatten Oberflächen zu geringeren Fibrosierungen und Entzündungsreaktionen im Gewebe. In zahlreichen klinischen Studien wurde eine geringere Rate an Kapselfibrosen bei Verwendung von Brustimplantaten mit texturierter Oberfläche gefunden.

Als eine wesentliche Ursache für die Entwicklung einer Kapselfibrose nach Brustvergrößerung wird heute eine Keimbesiedelung der Implantatoberfläche mit Biofilmbildung betrachtet. Näheres zum Thema "Kapselfibrose nach Brustvergrößerung" finden Sie hier.
 
In der nun kürzlich veröffentlichten Studie untersuchten australische Kollegen im Laborexperiment sowie im Tierversuch, welchen Einfluss die Brustimplantatoberfläche auf die Entstehung einer Kapselfibrose hat. Wer Lust hat, kann die komplette Studie hier nachlesen:
Jacombs, Anita et al.
Plastic & Reconstructive Surgery: April 2014 - Volume 133 - Issue 4 - p 471e–480e
doi: 10.1097/PRS.0000000000000020
 
Bei dieser Studie wurden 66 Implantate (23 glatt, 43 texturiert), welche mit Hautkeimen versehen wurden den Versuchstieren implantiert und die Entwicklung von Kapselfibrosen bzw. die Keimbesiedelung der Implantatoberflächen untersucht.
Bei diesem Versuchsmodell entwickelten generell ca. 80% der Implantate eine Kapselfibrose (Baker III, IV). Die Implantate welche eine Kapselfibrose entwickelten zeigten im Bereich der Oberfläche bzw. ihrer Kapsel durchschnittlich 250% mehr Bakterien als jene Implantate ohne Kapselfibrose. Dies bestätigt nochmals klar, dass die bakterielle Besiedelung der Implantatoberfläche eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Kapselfibrose spielt.
Man fand aber keine signifikanten Unterschiede zwischen glatten bzw. texturierten Implantaten hinsichtlich der Entwicklung einer Kapselkontraktur.
Ferner führte man im Labor Versuche durch ob sich Bakterien besser an Implantaten mit glatter oder texturierter Oberfläche anhaften. Man fand, dass nach 2, 6 und 24 Stunden an texturierten Oberflächen signifikant mehr Bakterien anhaften als an glatten Oberflächen. Diese Tatsache deckt sich mit Erkenntnissen aus ähnlichen Forschungen in anderen Gebieten.
Abschließend die Schlussfolgerung der Arbeit als Zitat und dazu nochmals der Verweis zu Kapselfibrose nach Brustvergrößerung
"CONCLUSIONS
In breast implants, although textured implants may confer better tissue ingrowth, they also have been shown to potentiate the early and rapid formation of S. epidermidis biofilm in vivo and in vitro compared with smooth implants. The use of textured implants should especially be combined with stringent intraoperative attention to the prevention of bacterial contamination to reduce the risk of biofilm formation and subsequent capsular contracture."
 
erstellt: 27-04-2014 13:15
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf