Multiple Familiäre Lipome

Multiple, familiäre Lipome

Abgesaugtes Lipom

Lipome gehören zu den häufigsten, gutartigen Wucherungen des Menschen. Meist sind diese Fettgewebsknoten gut abgekapselt. Sie wachsen langsam im Laufe von Monaten und Jahren. Ihre Größe schwankt zwischen winzigen, erbsgroßen Knötchen und riesigen, mehrere Kilogramm schweren Tumoren. Am häufigsten sind Lipome aber relativ klein, bis apfelgroß und im Fettgewebe unter der Haut also oberflächlich gelegen. Diese kleinen Lipome bereiten normalerweise keine Beschwerden und sind in erster Linie ein ästhetischer Makel. In vielen Fällen besteht also keine dringende, medizinische Notwendigkeit, diese Lipome zu entfernen. Möchte man jedoch diese Fettgewebswucherungen entfernt haben, so werden dafür heute prinzipiell drei verschiedene Behandlungsmaßnahmen angeboten:

1. Die „konventionelle“ Methode mit einem Hautschnitt (Exstirpation des Lipomes)

Die altbewährte Methode ein Lipom über einen Hautschnitt zu entfernen ist in der Regel ein einfaches, schnelles und sicheres Verfahren. In der Regel wird dabei in örtlicher Betäubung, über dem Fettknoten ein Hautschnitt, etwa in der Größe des Durchmessers des Lipomes angelegt. Darüber kann dann der Fettknoten komplett inklusive seiner Kapsel entfernt werden. Der wesentliche Nachteil dieser Methode ist, dass eine bleibende Hautnarbe resultiert.

2. Die sogenannte „Fett-Weg-Spritze“ (Injektionslipolyse)

Diese Methode, also ein Medikament in das Fettgewebe einzuspritzen, welches das Lipom quasi auflöst, wäre natürlich sehr elegant und einfach. Man muss dazu wissen, dass das bei der Fett-Weg-Spritze verwendete Medikament (Phosphatidylcholin) für diesen Einsatz in Deutschland von offizieller, behördlicher Seite nicht zugelassen ist. Eine Anwendung findet somit „off-label“ statt.
Ich habe vor ca. 10 Jahren die Fett-Weg-Spritze mehrere Male bei Lipomen verwendet und das Medikament in der Hoffnung, dass damit die Lipome aufgelöst werden könnte in die Lipome injiziert. Meine Erfahrungen damit waren durch die Bank schlecht! Regelmäßig berichteten die Patienten zwar, dass die Lipome dadurch verkleinert wurden, aber sie verschwanden nie komplett. Vielmehr verhärteten sich diese zugegebenermaßen kleineren Knoten und bereiteten dann erst nicht selten Beschwerden. Deshalb habe ich persönlich diese Methode der „Fett-Weg-Spritze“ wieder komplett verlassen.

3. Die Absaugungung des Lipomes

Die Methode ein Lipom abzusaugen funktioniert nach demselben Prinzip wie eine Fettabsaugung aus ästhetischen Gründen. D. h. hierbei wird, ebenfalls in örtlicher Betäubung, über einen Stich in der Haut eine kleine Metallkanüle (Röhrchen) in das Lipom eingeführt. In dieser Kanüle wird Unterdruck (Vacuum) erzeugt, so dass darüber das Fettgewebe dann durch die Stichinzision der Haut abgesaugt werden kann. Weitere Informationen über die Vor- und Nachteile finden Sie hier.

Bei den meisten Patienten treten Lipome vereinzelt auf. Bei vielen dieser Patienten mit einem oder zwei Lipomen ist die Narbenbildung nach Schnittentfernung meist kein größeres, ästhetisches Problem. Allerdings gibt es eine Patientengruppe, bei der diese gutartigen Lipome zahlreich auftreten und diese auch nach einer Entfernung nach ein paar Jahren wiederkehren:

Multiple Lipome

Wie oben erwähnt sind gutartige Fettgewebswucherungen (=Lipome) in der Bevölkerung sehr häufig. Man schätzt, dass bei jedem fünfzigsten Menschen ein Lipom auftritt. Demgegenüber ist die Entstehung zahlreicher Lipome bei einem einzelnen Menschen ein extrem seltener Befund. Lediglich bei circa 0,002 Prozent der Bevölkerung lassen sich zahlreiche Lipome nachweisen. Dieses Auftreten zahlreicher Lipome bei einem Menschen wurde bereits im Jahre 1846 zum ersten Mal beschrieben, ist also seit langer Zeit bekannt. Interessanterweise sind Männer doppelt so häufig betroffen als Frauen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass solche zahlreichen Lipome öfters innerhalb einer Familie gehäuft auftreten. Man spricht deshalb von „Familiären, multiplen Lipomen“. Man geht heute davon aus, dass diese Neigung zur Entwicklung multipler Lipome vererbt wird (1, 2).
Selbstverständlich kann auch bei diesen, multipel bei einer Person auftretenden Lipomen eine der oben aufgeführten Behandlungsmethoden angewendet werden. Allerdings hat in diesen Fällen die operative Lipomentfernung mittels Schnitt deutliche Nachteile hinsichtlich der dabei entstehenden Narben. Man muss sich dabei ja vergegenwärtigen, dass bei diesen Patienten regelmäßig mehr als 10 Lipome bei einer einzelnen Operation entfernt werden. Dies würde bei der „konventionellen“ Schnitt-OP dann entsprechend zu mehr als 10 Narben über dem Körper verteilt führen. Ferner ist zu berücksichtigen, dass diese Lipome ja rezidivierend sind, also wiederkehren und dass der Patient wahrscheinlich nach einiger Zeit erneut eine ähnlich große Anzahl an Lipomen aufweist. Spätestens nach 3-4 derartiger operativer Sitzungen innerhalb von mehreren Jahren ist die Hautoberfläche dieser Patienten ja dann übersät mit Narben. Deshalb stellt gerade in diesen Fällen die oben beschriebene, alternative Methode der Lipomabsaugung das bessere, da narbenfreie Verfahren dar. Sicher lässt sich mit der Absaugmethode nicht jedes Lipom immer komplett entfernen. Manchmal bleiben kleine Fettgewebsreste zurück. Aber der Vorteil der narbenlosen Behandlung kommt gerade bei dieser, glücklicherweise sehr kleinen Patientengruppe, voll zum Tragen.