Botulinumtoxin bei Adipositas - Neue Studie

Botulinumtoxin bei Übergewicht - eine neue Studie

Fettabsaugung (©DGPRÄC)
Seit Anfang Oktober schlägt eine Studie von norwegischen Kollegen der Universität Trondheim, die unter dem Titel: Fighting Fat with Botulinumtoxin erschien, hohe mediale Wellen.
Im Tierversuch wurde gezeigt, dass Botulinumtoxin, in den Vagusnerv des Magens injiziert, zu Gewichtsverlust führen kann.
Die Forscher fanden, dass nach der Injektion von Botulinumtoxin in den Vagusnerv bei Ratten diese weniger aßen und 20-30% Gewicht in den darauffolgenden 5 Wochen abnahmen.
Die Botulinumtoxin-Injektion führte dabei zu einer Lähmung der Magenmuskulatur, was die Nahrungspassage durch den Magen verlangsamte und das Hungergefühl reduzierte. Die Forscher glauben, dass dieser Effekt eines Tages vielleicht zur Behandlung der Adipositas hilfreich sein könnte. Man ist nun in der Planung erster klinischer Studien.
 
Zweifelsohne werden derartige Themen immer dankbar von den Medien aufgegriffen.
Was in diesem Fall, bewusst oder aus Unwissenheit verschwiegen wird ist, dass man in der Medizin mit diesem Verfahren der Ausschaltung des Nervus vagus am Magen lange Erfahrungen hat.
Natürlich nicht mit Botulinumtoxin, aber auf operativen Wege wurde bereits seit langer Zeit der Vagusnerv des Magens durchtrennt und damit seine Funktion außer Kraft gesetzt. Der N. Vagus ist ja nicht nur wichtig für die Muskelfunktion (Beweglichkeit der Magenwand) sondern er ist auch verantwortlich für die Produktion der Magensäfte (Salzsäure).
In früheren Jahren wurden Durchtrennungen des Vagusnervs (Vagotomie) häufig bei Geschwürskrankheiten am Magen und Zwölffingerdarm ausgeführt. Heute findet diese Operation selten Anwendung, da säureblockierende Medikamente zur Behandlung von Magen- und Duodenalulcera zur Verfügung stehen.
Aus jener Zeit hat man sehr gute Kenntnisse, welche Nebenwirkungen und Risiken eine Lähmung des Magens durch Unterbindung der Vagusfunktion verursacht. Man spricht hier vom sogenannten "Postvagotomiesyndrom".
Verschiedene Probleme können nach Vagotomie bekanntermaßen auftreten wie z. B.:
- Durchfälle (=Postvagotomiediarrhoe) als Folge der verzögerten Nahrungspassage, Verminderung der Säuresekretion, bakterieller Fehlbesiedelung im Magendarmbereich, etc.
-Schluckstörungen (Postvagotomie-Dysphagie) und Sodbrennen (Reflux) aufgrund einer Störung des muskulären Verschlusses zwischen Speiseröhre und Magen.
-Gallensteinbildung (Cholelithiasis) aufgrund einer Erschlaffung der Gallenblase, deren Muskulatur ebenfalls durch den Vagusnerv innerviert wird.
Diese Probleme waren bei vielen der operierten Patienten früher nur vorübergehender Natur. Desgleichen dürfte naturgemäß auch nach der Botulinumtoxin-Injektion zu erwarten sein. Jedoch sind diese Komplikationen auch wenn sie nur vorübergehend auftreten manchmal schwerwiegend.
 
Mit anderen Worten sollte man keinesfalls hier vorschnell falsche Hoffnungen wecken.
Man wird sehen, welchen Erfolg die klinischen Studien haben.
Vielleicht werden wir nie mehr etwas über diese Methode hören.
 
 
erstellt: 27-11-2013 16:22
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf