Britische Ärzte empfehlen Entfernung aller PIP-Brustimplantate

Britische Ärzte empfehlen Entfernung aller PIP-Brustimplantate

Brustvergrößerung
Im März diesen Jahres (2013) erschien in der Zeitschrift British Journal of Surgery (BJS) ein Artikel in dem 18 PIP-Brustimplantate, welche von Patientinen entfernt worden waren, mit medizinisch zugelassenen Silikonbrustimplantaten verglichen wurden.
Dabei fand man heraus, dass die Hüllen der PIP-Silikonimplantate signifikant schwächer als diejenigen von offiziell zugelassenen Implantaten waren. Besonders wichtig, man fand ferner, eine negative Korrelation zwischen den mechanischen Eigenschaften der PIP-Implantate und und der Zeitdauer welche die Implantate im Gewebe waren. Das heißt, je länger die Implantate im Gewebe verbleiben, desto schwächer werden die Brustimplantathüllen und desto größer die Gefahr, dass Silikongel aus den Implantaten ausläuft.
Die Schlussfolgerung der Autoren ist: "Diese Studie demonstriert, eine zunehmende Schwäche der PIP-Implantathüllen mit zunehmender Zeitdauer und unterstützt die Argumente für eine prophylaktische Entfernung der PIP-Brustimplantate".
("Conclusion: This study demonstrated an increased weakness of PIP shells with time and therefore supports the argument for prophylactic removal of PIP breast implants.")
Diese Studie wurde gestern in der Onlineausgabe der britischen Zeitung Daily Mail aufgegriffen.
 
Nun Zufall oder nicht, fast gleichzeitig erscheint in der Aprilausgabe der Zeitschrift Plastic Reconstructive Surgery ein Artikel zum selben Thema. Untersucht wurden in dieser Studie 19 PIP-Implantate hinsichtlich mechanischer Eigenschaften der PIP-Brustimplantate.
Die Ergebnisse dieser Studie weisen darauf hin, dass das häufigere Zerreißen der PIP-Implantathüllen höchstwahrscheinlich auf unzureichende Materialkontrollen der Hüllen zurückzuführen ist. In dieser Studie konnte kein Beweis für eine Schwächung der Implantathülle mit zunehmender Zeitdauer nach der Implantation gefunden werden.
("Conclusions: The high incidence of Poly Implant Prothèse shell rupture is most likely a result of inadequate quality control, with contributory factors being shell thickness variation and manufacturing defects on both inner and outer surfaces of the shell. No evidence of shell degradation with implantation time was determined.")
 
Kommentar:
Obwohl diese beiden Studien in Details nicht ganz übereinzustimmen scheinen, gibt es m. E. daraus nur eine Konsequenz:
Wie ich bereits vor über einem Jahr in meinem Blogbeitrag:
hier geschrieben habe:
 
"Wie sollten sich jetzt Ärzte verhalten?
Es besteht meines Erachtens kein Zweifel, dass man als Arzt in der gegenwärtigen Situation, beim momentanen Kenntnisstand allen Patientinnen, die PIP-Implantate tragen, die Entfernung dieser potentiell gesundheitschädlichen Medizinprodukte empfehlen sollte, so wie dies die französischen Behörden tun. Diese Empfehlung sollte sich allein auf medizinische Aspekte stützen, nicht auf finanzielle."
 
Diesbezüglich hat sich nichts geändert!
 
Link zur britischen Studie:
L. Yildirimer, A. M. Seifalian, P. E. Butler
British Journal of Surgery, Volume 100 Issue 6 (May 2013)
 
Swarts, Eric B.Sc.; Kop, Alan M. Ph.D.; Nilasaroya, Anastasia Ph.D.; Keogh, Catherine V. Dip.App.Sci.; Cooper, Timothy F.R.A.C.S.
Plastic & Reconstructive Surgery, April 2013, Volume 131, Issue 4 - p 480e–489e
 
 
erstellt: 21-04-2013 10:38
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf