Brustimplantate und Brustkrebs: Nachteile bei Diagnostik und Überlebensraten?

Brustimplantate und Brustkrebs: Nachteile bei Diagnostik und Überlebensraten?

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Zahlreiche Studien erbrachten bislang keinen Hinweis, dass Brustimplantate aus Silikon mit einem erhöhten Risiko für Brustkrebs einhergehen. Es gibt aber Überlegungen, dass Brustimplantate eine Erkennung von Brustkrebs in frühen Stadien behindern könnte. Brustimplantate aus Silikon sind ja röntgenundurchlässig und beeinträchtigen die Darstellung des Brustdrüsengewebes mit einer Mammografie.
Man kann sich vorstellen, dass eine Untersuchung dieser möglichen Zusammenhänge, ob Brustkrebs bei Brustimplantatträgerinnen später als bei Frauen ohne Implantate erkannt wird, nicht einfach ist. Eine Untersuchung über lange Zeiträume eine große Anzahl von Frauen mit möglichst ähnlichen Voraussetzungen (Gewicht, Brustgröße, etc.) ist hierzu erforderlich. Diese Gruppe müsste man mit einer ebenfalls großen Gruppe Frauen ohne Brustimplantate, die möglichst ähnliche Voraussetzungen haben, vergleichen.
Eine systematische Metaanalyse (=Zusammenfassung zahlreicher früherer Studien) zu dieser Thematik ist nun Ende April in der sehr renommierten Fachzeitschrift British Medical Journal veröffentlicht worden:
Eric Lavigne, Eric J Holowaty, Sai Yi Pan, Paul J Villeneuve, Kenneth C Johnson, Dean A Fergusson, Howard Morrison, Jacques Brisson
BMJ 2013; 346 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.f2399 (Published 30 April 2013)
Ich übersetze im Folgenden die Schlussfolgerungen aus dieser Arbeit:
"Unsere Ergebnisse sollten in Anbetracht der Lücken und Grenzen der verfügbaren Literatur mit Vorsicht interpretiert werden. Zunehmende Hinweise legen nahe, dass Frauen mit kosmetischen Brustimplantaten, die an Brustkrebs erkranken ein erhöhtes Risiko tragen, häufiger die Diagnose eines nicht-lokalisierten Brusttumores zu haben als Frauen mit Brustkrebs, die keine Brustimplantate haben. Darüberhinaus legen heutige Ergebnisse auch nahe, dass kosmetische Brustimplantate die brustkrebsspezifischen Überlebensraten nach der Diagnose einer solchen Erkrankung nachteilig beeinflussen. Weitere Untersuchungen, hinsichtlich der Langzeiteffekte von kosmetischen Brustimplantaten auf die Erkennung und Prognose von Brustkrebs sind berechtigt, um mögliche, Widersprüchlichkeiten abzugleichen."
 
Ich halte das für eine sehr wichtige Studie!
Fest steht, dass die Brustkrebsdiagnostik mittels Mammografie bei Frauen mit Brustimplantaten erschwert ist. Es gibt bisher mehrere Untersuchungen die in kleinerem Rahmen diesem Problem nachgegangen sind.
Die vorliegende Studie ist aber zweifelsohne die bislang umfangreichste Arbeit zu diesem Thema. Sie hat anhand der bis heute veröffentlichente Fachliteratur systematisch im Rahmen einer Metaanalyse untersucht, ob es Unterschiede hinsichtlich der Stadienverteilung bzw. Überlebensraten bei Brustkrebspatienten mit oder ohne Brustimplantate gibt.
Sicher bestehen aufgrund der zur Verfügung stehenden heterogenen Daten zahlreiche Einschränkungen und Vorbehalte. Darauf weisen die Autoren ja selbst hin. Aber es kann nicht bestritten werden, dass die oben beschriebenen Ergebnisse mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen könnten und für unsere tägliche Praxis zukünftig möglicherweise Konsequenzen haben werden.
Eine mögliche Konsequenz könnte sein, Frauen mit Brustimplantaten routinemäßig im Rahmen der Krebsvorsorgeuntersuchungen kernspintomografische Untersuchungen statt Mammografien der Brust zu empfehlen. (Siehe hierzu auch: Kernspintomografie zur Kontrolle von Brustimplantaten)
Man wird sehen-!
 
 
erstellt: 07-05-2013 16:55
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf