Dupuytren: Häufigere Rezidive nach Nadelfasziotomie und Kollagenase

Dupuytren: Häufigere Rezidive nach Nadelfasziotomie und Kollagenase

Titelseite der Zeitschrift Plastic Reconstructive Surgery
 
(aus dem BLOG - 2.4.2012)
 
Zur Behandlung der Dupuytren'schen Kontraktur stehen verschiedene Therapiemöglichkeiten zur Verfügung.
Goldstandard ist heute nach wie vor die limitierte operative Entfernung = Palmaraponeurektomie der gewucherten, kontrakten Dupuytren-Bindegewebsstränge.
 
Darüberhinaus besteht unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die kontrakten Bindegewebsstränge isoliert zu durchtrennen. Dieses eigentlich schon sehr alte Verfahren erlebte in den letzten Jahren wieder eine Renaissance. Die Stränge werden heute mit Hilfe von an der Spitze geschliffenen Nadeln (Injektionskanülen) ohne Durchtrennung der Haut ausgeführt. Dieses Verfahren ist unter dem Begriff der "Perkutanen Nadelfasziotomie" (PNF) bekannt. Weitere Fachinformationen hierzu finden Sie in meinem Blog unter: Nadelfasziotomie II.
 
Darüberhinaus besteht seit etwa einem Jahr nun auch in Deutschland die Möglichkeit lokalisiert Dupuytren-Stränge mit Hilfe des Enzymes Kollagenase aufzulösen und anschließend die Stränge aufzubrechen. Auch zum Thema Kollagenasetherapie bei Dupuytren finden Sie im Blog weitere Infos.
 
Welches dieser Verfahren ist nun besser? Wo liegen Vor- und Nachteile dieser Behandlungsmethoden des Morbus Dupuytrens?
 
Handchirurgen aus Groningern (Niederlande) haben vor kurzem eine interessante Studie zu diesem Thema in der angesehenen Fachzeitschrift "Plastic Reconstructive Surgery" publiziert.
Zu finden ist diese unter:
 
In dieser Studie wurden 115 Hände bei 111 Patienten mit Dupuytren-Kontraktur operiert. Das Streckdefizit an den Fingergelenken lag bei mindestens 30°.
Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 5 Jahren nachkontrolliert.
Die Rezidivrate nach 5 Jahren war nach Nadelfasziotomie (84,9%) signifikant höher als nach limitierter operativer Entfernung (20,9%) der Dupuytren-Stränge.
Ein höheres Alter zum Zeitpunkt der Operation hatte etwas günstigere Auswirkungen auf die Rezidivrate.
Keine anderen Faktoren beeinflussten die Rezidivrate.
Die Schlussfolgerung der Studie ist, dass die perkutane Nadelfasziotomie (PNF) in milden Fällen einer Dupuytren-Kontraktur bei älteren Patienten bevorzugt werden sollte und bei denjenigen Patienten, welche eine höhere Rezidivrate in Kauf nehmen zu Gunsten einer rascheren Rehabilitation einer geringeren Komplikationsrate und einer minimalen Invasivität der Behandlung.
 
Schließlich vergleichen die Chirurgen ihre Ergebnisse hinsichtlich der Rezidivraten mit Studien welche Rezidivraten nach der Dupuytren-Behandlung mit Kollagenase untersucht haben.
Das Ergebnis hier lautet:
"These results indicate that the recurrence rate after collagenase is considerably higher than after limited fasciectomy and percutaneous needle fasciotomy, even after a considerably shorter follow-up period."
(Übersetzung: "Diese Ergebnisse zeigen, dass die Rezidivrate nach Kollagenase bedeutend höher ist als nach limitierter Fasziektomie und perkutaner Nadelfasziotomie, und das sogar schon nach einem deutlich kürzeren Nachuntersuchungszeitraum.")
 
erstellt: 02-04-2012 13:37
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf