Ergebnisse und Komplikationen nach Oberschenkelstraffungen

Studie: Ergebnisse und Komplikationen nach Oberschenkelstraffung

Oberschenkelstraffung

 

(aus dem BLOG - 18.1.2015)

Eine im Januar 2015 kürzlich veröffentlichte, interessante Studie untersucht Ergebnisse und Komplikationen nach Oberschenkelstraffungen. Zunächst worum geht es? Allgemeine informationen zu: Oberschenkelstraffungsoperationen finden sie hier unter: Informationen über Oberschenkelstraffungen.

Zur Straffung lockerer Haut an der Innenseite der Oberschenkel stehen grundsätzlich zwei einzeln oder kombiniert anwendbare Operationsschritte zur Verfügung.

1. Die horizontale Straffung:

tl_files/professor-graf/Infos/Aesthetik/Oberschenkelstraffung, horizontal.jpg

2. Die vertikale Straffung (hier als Kombination mit horizontaler Straffung gezeichnet):

tl_files/professor-graf/Infos/Aesthetik/Oberschenkelstraffung.jpg

Welche dieser (Teil)-Maßnahmen zur Anwendung kommen richtet sich natürlich nach dem Ausmaß der lockeren Haut am Oberschenkel.

Die US-amerikanischen Autoren habe nun 106 Patienten erfasst und untersucht, bei denen nach vorangegangener Gewichtsreduktion eine Oberschenkelstraffung ausgeführt worden waren. 90% der Patienten waren Frauen. Das Durchschnittsalter lag bei 45,1 Jahren. 88 Patienten verloren ihr Gewicht nach einer chirurgischen, bariatrischen OP zur Gewichtsreduktion (Magenbypass, o. ä.). Nur 18 der untersuchten Patienten verloren Gewicht durch reguläre Diät und Sport. Dementsprechend massiv war bei vielen der untersuchten Patienten der Gewichtverlust (durchschnittl. Body mass Index vor Gewichtsreduktion: 52,4, nach Gewichtsreduktion: 29,3). Deshalb waren meist ausgedehntere Operationen erforderlich: Nur bei 14 der 106 Patienten reichte eine horizontale Oberschenkelstraffung. Alle Anderen benötigten mehr oder minder ausgedehnte, zusätzliche vertikale Straffungen.

Auffällig an dieser Studie war eine meines Erachtens sehr hohe Komplikationsrate. 68% der untersuchten Patienten hatten zumindest eine Komplikation nach der Oberschenkelstraffung. Komplikationen waren: Wunddehiszenz ("Nahtbruch"): 51%, Serome (Lymphergüsse oder -Fisteln): 25%, Infektionen: 16%, Blutergüsse: 6%. Schwellneigung der Beine (Ödeme) nach der OP wurden in 22% beobachtet. Diese besserten sich bei allen Patienten innerhalb eines Jahres nach der OP. Länger anhaltende Schwellneigungen der Beine traten ausschließlich nach vertikaler Oberschenkelstraffung auf, nicht nach horizontaler Straffung. Als Risikofaktoren für postoperative Komplikationen nach Oberschenkelstraffung fanden die Autoren der Studie das Patientenalter und Anämie der Patienten vor der OP. (Hinsichtlich einer Anämie ist zu berücksichtigen, dass Anämien nach bariatrischen Operationen zur Gewichtsreduktion nicht selten auftreten.) Ferner werden als Risikofaktoren für Komplikationen benannt: Bluthochdruck, langer vertikaler Schnitt, Schilddrüsenunterfunktion, gleichzeitige Fettabsaugung.

Im Artikel werden diese Komplikationen eingehender diskutiert. So schreiben die Autoren:
"Some observers may question whether a procedure that has a complication rate of at least 68 percent is safe. We argue that it is because most of these complications were minor wound healing issues or transient edema."

Und als Schlussfolgerung:
"Conclusions: Medial thighplasty has a high rate of minor wound healing problems. Full-length vertical thighplasty is associated with prolonged edema. Concomitant liposuction may also increase complications. Patients should be counseled appropriately about the potential for minor wound healing problems."

Ich finde, dass ist ein sehr interessanter, weil ehrlicher Artikel. Ja, über solche Dinge werden die Patienten in den Hochglanzbroschüren und auf den top gestylten Internetseiten zu Schönheitschirurgie nicht informiert. Nichtsdestoweniger ist gerade vor solchen Eingriffen eingehend auch über die Komplikationsproblematik zu sprechen. Auch wenn diese als "minor" also klein eingeschätzt werden, hat ja z. B. eine Wundheilungsstörung, welche Verbandswechsel über mehrere Wochen erfordert für die individuelle Planung der Patienten Konsequenzen.

Sicher, die Autoren behandelten viele, extreme Hauterschlaffungen nach bariatrischen Operationen. Unsere Patienten in Deutschland sind eher "gemischter". Wir haben einen höheren Anteil an Patienten mit weniger ausgedehnten Befunden. Nichtsdestoweniger ist bei jedem dieser Patienten eine sorgfältige Vorbereitung zur OP und eine wohlüberlegte OP-Planung und Ausführung unabdingbar. Dies kann den OP-Termin auch einmal etwas verzögern. Das ist vielleicht ein kleiner Kritikpunkt, den ich an den Autoren bzw. deren Patientenmanagement habe.

Anbei noch der Link zur Originalarbeit:

Gusenoff, Jeffrey A.; Coon, Devin; Nayar, Harry; Kling, Russell E. B.A.; Rubin, J. Peter
Plastic & Reconstructive Surgery: January 2015 - Volume 135 - Issue 1 - p 98–106 doi: 10.1097/PRS.0000000000000772
 
erstellt: 18-01-2015 15:31
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf