Gibt es eine maximale Absaugmenge bei Liposuction

Gibt es eine maximale Absaugmenge bei Liposuction?

 

(aus dem BLOG - 1.9.2015)

Die Fettabsaugung ist eine der häufigsten ästhetischen Operationen. Seit ihrer Einführung vor über 35 Jahren hat sich diese Methode stetig weiterentwickelt. Heute wird zur Fettabsaugung in der Regel eine große Menge Infiltrationslösung verwendet, der Medikamente wie Lokalanästhetika Adrenalin u. a. beigefügt sind (=Tumeszenz). Dies ermöglicht größere Mengen Fett abzusaugen und dabei gleichzeitig aber den Blutverlust zu minimieren. Die Verwendung größerer Infiltrationsmengen aber auch die Absaugung größerer Menge an Fettgewebe führt allerdings zu Flüssigkeitsverschiebungen im Körper und kann zu Blutdruckschwankungen und Kreislaufstörungen führen. Im Allgemeinen werden jedoch auch größere Infiltrationsmengen bei gesunden Patienten gut toleriert und zahlreiche, große Studien belegen die Sicherheit der Operationsmethode Fettabsaugung.

Ein nach wie vor diskutierter Aspekt im Zusammenhang mit der Methode der Fettabsaugung ist die Frage: Wieviel darf/sollte höchstens abgesaugt werden? Bis heute gibt es hierzu keine klaren, durch Studien bewiesenen Richtlinien. Die Amerikanische Gesellschaft der Plastischen Chirurgen definiert eine Absaugmenge ab 5000ml als "large volume liposuction" die mit größeren Operationsrisiken einhergeht. Gleichzeitig wird aber festgestellt: "there is no scientific data available to support a specific volume maximum at which liposuction is no longer safe". Es wird empfohlen nach diesen, große Fettabsaugungen die Patienten postoperativ unter stationären Bedingungen im Krankenhaus zu überwachen.

Allerdings hängt die Absaugmenge bei einer Liposuction natürlich auch von der Menge an Infiltrationslösung ab, welche zuvor verabreicht worden war.

In einer aktuellen, ausgezeichneten Studie, welche soeben publiziert worden ist, werden Risiken einer Fettabsaugung in Abhängigkeit von der Absaugmenge sowie vom Body Mass Index (BMI) untersucht: Dafür wurden 4534 Patientendaten analysiert. Bei diesen traten 69 Komplikationen (=1,5%) wie Serome, Blutungen, Infekte auf. Die Studie zeigte, dass eine Absaugmenge von 5000ml nicht regelhaft eine Grenze darstellt jenseits derer mit einem erhöhten Risiko bei einer Fettabsaugung gerechnet werden muss. Sowohl große Absaugmengen als auch eine hoher Body Mass Index erhöhen unabhängig voneinander das Operationsrisiko im Zusammenhang mit einer Fettabsaugung. Wenn jedoch sowohl die Absaugmenge als auch der BMI gleichzeitig erhöht wurden, so hatte das einen kleinen, protektiven Effekt. Mit anderen Worten tolerieren fettleibige Patienten größere Absaugmengen besser als Patienten mit einem niedrigen BMI.

Die Autoren empfehlen 100ml je Einheit des BMI als Grenze zu betrachten, jenseits der mit einem höheren Risiko bei einer Fettabsaugung zu rechnen ist.

Nehmen wir ein Beispiel: Eine 165cm große und 70kg schwere Frau hat einen BMI von 25,7. Gemäß dieser Empfehlung müsste ab einer Absaugmenge von mehr als 2570ml (25,7*100) mit einem erhöhten Risiko gerechnet werden.

Angaben zu dieser Studie:

 
erstellt: 01-09-2015 16:02
geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf