Gynäkomastie bei mechanische Belastungen

Gynäkomastie bei mechanische Belastungen

Gynäkomastie

Meist entsteht eine Brustvergrößerung beim Mann durch hormonelle Störungen. Neben Gewebshormonen (IGF-1) spielen hierbei Dysbalancen zwischen weiblichen und männlichen Geschlechtshormonen eine wichtige Rolle. Ursachen für diese hormonellen Störungen können sehr unterschiedlich sein: Häufig sind sie einfach anlagebedingt, sie können aber auch durch Übergewicht, Tumore oder Medikamente hervorgerufen werden.

Einen weiterern zugegeben seltenen ja kuriosen Aspekt haben Kollegen vom deutschen Bundeswehrkrankenhaus in Berlin untersucht. Sie beobachteten, dass auffällig häufig Soldaten des Wachbatallons an einer Gynäkomastie der linken Brust erkrankten. Diese jungen Männer hatten zwar auch auffällige Hormonwerte im Blut, aber warum war nur die linke Seite betroffen. Die Kollegen vermuten als mögliche Erklärung dafür, wiederholte mechanische Irritationen der linken Brust bei diesen Wachsoldaten durch das Gewehr, welches bei Paraden gegen die linke Brust geschlagen wird.

Anbei die Originalzusammenfassung der Studie:

Zusammenfassung

Soldaten der Deutschen Bundeswehr im Wachbataillon in Berlin zeigten eine hohe Inzidenz an Gynäkomastien. Dies veranlasste uns zur Durchführung der vorliegenden Studie. In einem Zeitraum von sechs Jahren führten wir 211 Operationen an Patienten mit Gynäkomastie durch. Dieses Kollektiv wurde mit einer altersangepassten Gruppe von Männern ohne Gynäkomastie verglichen. Die beiden Gruppen zeigten signifikante Unterschiede in folgenden Parametern: Serum-Testosteron, freies Tetrajodthyronin (fT4), Prolaktin, Lutenisierendes Hormon (LH) und im Body-Mass-Index (BMI). Ferner zeigte sich eine hochsignifikante Korrelation zwischen der Tätigkeit als Wachsoldat und einer linksseitigen Gynäkomastie. Eine mögliche Erklärung für diese erhöhte Inzidenz unilateraler Gynäkomastie bei Wachsoldaten liegt in den repetitiven Karabineranschlägen an die linke Brust beim Ausführen des formalen Protokolls im Wachdienst.

 

Hans-Peter Kuhne und Mitarb.
GMS Interdisciplinary Plastic and Reconstructive Surgery
ISSN 2193-8091
 
erstellt: 16-07-2016 17:12
geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf