Höhere Komplikationsraten nach Brustoperationen aufgrund von Übergewicht

Höhere Komplikationsraten nach Brustoperationen aufgrund von Übergewicht

Mammahypertrophie
 
(aus dem BLOG - 30.1.2013)
 
Kürzlich erhielt ich das folgende Email:
 
"Guten Tag,
Wie hoch sollte der BMI für eine brustverkleinerung höchstens liegen?
Viele grüße"
 
Im Zeitalter des Internets muss man sich wohl an einen derartigen Stil der Kontaktaufnahme gewöhnen. Offensichtlich hatte die junge Dame irgendwo gelesen oder gehört, dass man nicht übergewichtig sein sollte (BMI=Body Mass Index), wenn man eine Brustverkleinerungsoperation plant und wollte jetzt, bitte ganz rasch eine genauere Informationen hierüber.
Natürlich habe ich ihr geantwortet.
 
Das Thema: Übergewicht, ist regelmäßig im Rahmen der Vorbereitung vor Brustverkleinerung von Bedeutung.
Deshalb denke ich, ein paar Eräuterungen dazu sind für viele Frauen, welche eine Brustverkleinerung planen interessant.
Also, warum sollten Patientinnen bei einer Brustverkleinerungsoperation nicht übergewichtig sein?
Zwei Gründe sind hier zu nennen:
 
1. Das Übergewicht beschränkt sich ja nicht nur auf die Brust, sondern z. B. auch am Bauch bestehen dann Fettpolster. Führt man bei Übergewichtigkeit eine Brustverkleinerung aus, so resultiert postoperativ regelmäßig eine gewisse Verschiebung der Proportionen. Die kleineren Brüste passen häufig nicht mehr so richtig zum dicken Bauch. Nicht selten haben diese Patientinnen deshalb nach der Brustverkleinerung eine gute Motivation zur Durchführung einer Diät und Gewichtsreduktion. Wird allerdings erst nach einer Brustverkleinerung deutlich Gewicht reduziert, so führt das zwangsläufig auch zu einer weiteren durch Diät bedingten Verkleinerung der bereits operierten Brüste. In solchen Fällen ist dann zu befürchten, dass diese Brüste erneut vermehrt hängen. In jedem Fall ist also nach einer massiven Diät im Anschluss an eine Brustverkleinerung mit einer Verschlechterung des ästhetischen Ergebnis der Brustoperation zu rechnen. Deshalb ist es sinnvoll als ersten Schritt die Diät und erst anschließend eine Brustverkleinerungsoperation zu machen.
 
2.Ich hatte bereits früher hier in meinem Blog einmal darauf hingewiesen, dass Brustverkleinerungsoperationen bei übergewichtigen Patienten höhere, postoperative Komplikationsraten haben.
 
Wie hoch genau dieses Risiko ist, wird in verschiedenen Studien etwas unterschiedlich eingeschätzt.
Siehe z. B auch hier.
 
Man sollte diese Zahlen als grobe Richtschnur betrachten.
Eine individuelle Beurteilung ist sicher stets erforderlich.
Grundsätzlich sollte aber jegliches Risiko im Zusammenhang mit "Schönheitsoperationen" so gering wie irgend möglich gehalten werden.
Die Patientin sollte sich also bewusst sein, dass der Plastische Chirurg bei einer übergewichtigen Patientin eine Brustverkleinerung nicht aus Willkür, sondern aus Verantwortung für die Patientin ablehnt.
Oder dass er vor einer derartigen Operation eine Gewichtsreduktion verlangt.
 
erstellt: 30-01-2013 11:14
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf