Hyaluronsäure zur Faltenbehandlung

Hyaluronsäure zur Faltenbehandlung

 
(aus dem BLOG - 16.6.2012)
 
Kürzlich wurde ich gebeten für das Forum: Hyaluronsäure-Info ein Interview zum Thema Hyaluronsäure in der Schönheitschirurgie zu geben.
Nachfolgend wird dieses Interview in abgeänderter Form mit freundlicher Genehmigung von Hyaluronsäure-Info wiedergegeben:

Wo werden nach Ihrer Erfahrung die besten Ergebnisse mit Hyaluronsäure in der ästhetischen Chirurgie erzielt?

Wir verwenden Hyaluronsäure in der Schönheitschirurgie meist als „Filler“ zur Unterfütterung bei Weichteildefiziten, Konturdefekten insbesondere zur Behandlung von Falten oder bei Narben. Je nach Bedarf wird dabei Hyaluronsäure intra- oder subkutan bei sehr kleinen Fältchen etwa im Lippenbereich, oder tiefer (unter die Haut) bei tieferen Falten z. B. im Nasaolabialbereich injiziert. Bei Konturdefekten unter bestimmten Bedingungen auch tief ins Gewebe.  Hyaluronsäure verbleibt nicht auf Dauer im Körper sondern wird nach einiger Zeit wieder resorbiert .  Wie lange die Hyaluronsäure im Organismus bleibt, ist dabei von verschiedenen Aspekten abhängig:  Die Menge und Verteilung der injizierten Substanz spielen dabei sicher ebenso eine Rolle wie die Region, wohin die Hyaluronsäure injiziert wird. In gut durchblutetem Gewebe, z. B. Muskulatur, kann davon ausgegangen werden, dass Hyaluronsäure rascher resorbiert wird als in schlechter durchblutetem Gewebe wie z. B. dem Fettgewebe. Natürlich kann nicht auf den Tag genau gesagt werden, wie lange die individuelle Wirkung einer Hyaluronsäureinjektion anhält. Nach einer Injektion von Hyaluronsäure im Bereich von Gesichtsfalten oder zur Lippenkonturierung darf von einem etwa sechsmonatigen Effekt ausgegangen werden.

Wo liegen die größten Vorteile und Chancen von Hyaluronsäure-Behandlungen in der ästhetischen Chirurgie?

Die Anwendung von Hyaluronsäure in der Schönheitschirurgie ist heute ein etabliertes Verfahren. Seit der BSE-Krise hat die Hyaluronsäure Kollagen, das früher ein häufig verwendetes Alternativprodukt war, weitestgehend verdrängt. Die verwendete Hyaluronsäure ist ja nicht tierischen Ursprunges. Wie der Name schon sagt, enthält sie kein Protein, Allergien stellen kein Problem dar. Die Hyaluronsäureinjektion ist in der Regel gut verträglich. Allergietestungen vor der eigentlichen Injektion, wie früher bei Kollagen, sind vor der Injektion von Hyaluronsäure nicht mehr notwendig. Manchen Patientinnen erscheint die Tatsache, dass Hyaluronsäure nach mehreren Monaten vom Körper komplett abgebaut wird zunächst als vermeintlicher Nachteil. Alternativ stehen ja doch heute Faltenfiller zur Verfügung, welche langsam oder überhaupt nicht vom Organismus abgebaut werden. Das Problem bei diesen Alternativprodukten ist aber, dass gar nicht mal so selten mittel- bis langfristig Fremdkörperreaktionen mit Entzündungen und Knotenbildungen nach der Injektion auftreten. Der Organismus erkennt einfach diese nicht-resorbierbaren Substanzen langfristig als Fremdkörper und versucht sie abzukapseln. Die Behandlung derartiger Folgezustände nach Injektion von nicht-resobierbaren Faltenfillern ist manchmal recht schwierig. Unter diesem Aspekt betrachtet kann die Resorption der Hyaluronsäure auch als Vorteil betrachtet werden. Es treten dabei in der Regel keine dauerhaften Fremdkörperreaktionen auf und sollte man mit dem Ergebnis einer Faltenunterfütterung nicht ganz zufrieden sein, dann hat sich das Problem spätestens in einem halben Jahr von selbst erledigt. Ich persönlich verwende nicht- oder langsam resorbierbaren Faltenfiller überhaupt nicht, ich verwende zur Faltenunterfütterung ausschließlich Hyaluronsäurepräparate.

Lohnt sich eine Hyaluronsäurebehandlung überhaupt, wenn man Kosten und Nutzen mit anderen Behandlungsarten vergleicht ?

Man darf eine Gesichtsfaltenbehandlung mit Hyaluronsäure nicht mit einem operativen ästhetisch-chirurgischem Eingriff vergleichen. Das sind zwei ganz unterschiedliche Behandlungsansätze mit unterschiedlichem Aufwand, unterschiedlichem Ergebnis, Risiken und auch Kosten. Die Hyaluronsäureinjektion in der ästhetischen Chirurgie stellt vielmehr eine Erweiterung unseres Spektrums für mildere Probleme dar. Auch bei Patientinnen, die einen operativen Eingriff nicht wollen oder die dafür (z. B. aus medizinischen Gründen) nicht geeignet sind ist die Hyaluronsäureinjektion eine Alternative. Ähnlich steht es mit dem Produkt Botulinumtoxin. Auch dieses Produkt hat eine andere Indikation als die Hyaluronsäure. Botulinumtoxin stellt neben der Hyaluronsäure eine weitere, aber in meinen Augen nicht konkurrierende Methode zur Behandlung von Gesichtfalten dar. Was man aber wohl sagen kann ist, dass der Effekt und das Preisleistungsverhältnis einer Hyaluronsäureinjektion zur Faltenbehandlung dem Effekt vieler, hochpreisiger, hyaluronsäurehaltiger Hautcremes überlegen ist.

Wie beurteilen Sie nach Ihrer Erfahrung die Zufriedenheit der Patienten mit den Behandlungsresultaten?

Aus dem oben gesagten wird klar, dass vor jeder Behandlung von Gesichtsfalten zunächst eine eingehende Beratung der Patientin über verschiedene Behandlungsoptionen insbesondere Informationen über Faltenfiller stehen muss. Dazu gehört z. B. auch die Diskussion von Risiken und Komplikationen. Ernsthafte Komplikationen nach Hyaluronsäureinjektionen sind sicher eine absolute Rarität. Aber auch nach der Behandlung mit einem Faltenfiller kann es mal einen blauen Fleck oder eine vorübergehende Schwellung geben. Wenn die Patientinnen über all das informiert wurden, dann können sie sich gut auf die Behandlung und das Ergebnis einstellen und werden in der Regel auch mit den Resultaten zufrieden sein.

Gibt es Fälle, in denen Sie von Hyaluronsäure abraten würden?

Ja! Zunächst einmal muss eine realistische Erwartung der Patientin hinsichtlich des zu erwartenden Ergebnisses bestehen. Unrealistische Erwartungen würden nur zu Unzufriedenheit mit dem Ergebnis führen. Hier sollte man von einer Hyaluronsäureinjektion abraten. Zum anderen ist manchmal z. B. bei sehr tiefen Falten diese Methode einfach überfordert. Hier kann dann häufig nur eine kosmetische Operation das gewünschte Ergebnis bringen. Schließlich gibt es auch medizinische Gründe. Bei akuten, lokalen Hautentzündungen (Akne, Herpes o.ä.) im Injektionsbereich, sollte zunächst eine Abheilung der Entzündung abgewartet werden.

Wie beurteilen Sie das Verbot des Präparats Macrolane in Frankreich?

Die französischen Behörden haben ja im letzten Herbst “aus Gründen der Vorsicht und trotz des Fehlens eines beschriebenen Risikos bis zum heutigen Tage beschlossen, die Indikation einer Mamma-Augmentation aus ästhetischen Gründen für injizierbare Füllmaterialien auszuschließen.” Die Sorge, dass eine wiederholte Injektion von Füllmaterialien ins Brustdrüsengewebe zu rezidivierenden Entzündungen und möglicherweise zu einem höheren Krebsrisiko führen könnte ist sicher nicht ganz an den Haaren herbeigezogen. Ein anderer Aspekt betrifft die mögliche Verschleierung von auffälligen Befunden in der Mammografie bei der Krebsvorsorge durch die injizierte Substanz. Ich denke man sollte gerade bei dieser Indikation: Brustvergrößerung mittels Injektionen von Füllmaterialien, erst weitere Ergebnisse abwarten. Es steht ja auch eine gute, seit langem bewährte Alternative zur Verfügung, nämlich die Brustvergrößerung mit Brustimplantaten.

Was halten Sie von der Entscheidung von Qmed, die Indikation von Macrolane aus der Zulassung zu nehmen?

Ich kann nicht beurteilen, wie groß der Druck gerade durch die britischen Gesundheitsbehörden auf die Firma war. In jedem Fall zeugt es meines Erachtens aber von Einsicht und gutem Risikomanagement des Herstellers, vorläufig die Indikation dieser Hyaluronsäure zur Brustvergrößerung auszusetzen.

Was raten Sie Patientinnen, die bereits eine Behandlung mit Macrolane hinter sich haben?

Zunächst einmal besteht ja für die Patientinnen durch dieses Präparat keine Gefahr. Die Hyaluronsäure wird resorbiert werden. Wenn in der nächsten Zeit aber eine Krebsvorsorgeuntersuchung anstehen sollte, so muss die Patientin die Problematik mit ihrem Frauenarzt oder Radiologen besprechen. Evtl. sind spezielle Untersuchungsverfahren (MRT) erforderlich um nichts zu übersehen. Darüber hinaus sollte man weitere Untersuchungen abwarten, über die sicher auch hier auf hyaluronsaeure-infos berichtet werden wird.

erstellt: 16-06-2012 17:57
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf