Kapselfibrose nach Brustvergrößerung

Kapselfibrose nach Brustvergrößerung

Kapselfibrose nach Bruststraffung und Brustaugmentation
Kapselfibrose nach Straffung und Brustaugmentation
 
(aus dem BLOG - 21.11.2013)
 
 
Die Kapselfibrose (Kapselkontraktur) ist die häufigste Komplikation, die nach einer Brustvergrößerung mit Brustimplantaten auftreten kann. Sie entsteht in etwa 5-6% der operierten Fälle, wobei die Zahlen hier in den verschiedenen Studien stark schwanken (hierzu unten mehr). Eine Kapselfibrose ist letztlich eine unspezifische Reaktion des Organismus auf das Einbringen von Fremdmaterial in den Körper. Das bedeutet, Kapselfibrosen können auftreten bei einem Glassplitter unter der Haut, einem Herzschrittmacher, einer Hüftprothese oder eben bei einem Brustimplantat. Dabei ist es also zunächst nebensächlich aus welchem Material dieser Fremdkörper besteht und welche Form dieser hat. Kapselfibrosen entwickeln sich also unabhängig davon, ob das Brustimplantat mit Silikongel, Kochsalzlösung oder einer anderen Substanz gefüllt ist.
Eine Kapselfibrose entsteht immer dann, wenn sich um den Fremdkörper (Brustimplantat) eine mehr oder minder dicke Bindegewebshülle aus Kollagenfasern ausbildet, welche sich dann strafft und auf das Implantat drückt.

Diagnose und Gradeinteilung der Kapselfibrose

Je nach Ausprägung dieser Kapsel unterscheiden man den Schweregrad von Kapselfibrosen klinisch in vier Grade (Einteilung nach Baker):
 
I° - Die Brust ist weich und erscheint hinsichtlich ihrer Form natürlich
II° - Die Brust fühlt sich etwas fester an, erscheint aber hinsichtlich der Form noch normal
III° - Die Brust fühlt sich fest an und ihre Form wirkt unnatürlich
IV° - Die Brust ist hart und wirkt unnatürlich. Zusätzlich verursacht die Kapselfibrose Schmerzen
 
Diese gängige, medizinische Einteilung der Kapselfibrose ist eine klinische, mehr oder minder subjektive Beurteilung. Das heißt die gleiche Ausprägung einer Kapselfibrose kann unter Umständen von Frau zu Frau bzw. von Arzt zu Arzt ein bisschen anders beurteilt werden. Dies ist sicher einer der Gründe dafür, warum die Häufigkeit von Kapselfibrosen nach Brustvergrößerung sehr unterschiedlich eingeschätzt wird.

Ursachen der Kapselfibrose

Detailaufnahme: Aufgerauhte Oberfläche eines Implantates
Detailaufnahme: Aufgerauhte Oberfläche eines Implantates
Die Ursache der Kapselfibrose nach Brustvergrößerung ist letztendlich bis zum heutigen Tage noch nicht ganz klar. Sicher sind zahlreiche Faktoren (multifaktorielles Geschehen) für die Entstehung einer Kapselfibrose von Bedeutung. Hier kann beispielsweise eine individuelle Veranlagung zur Ausbildung von Kapselfibrosen genannt werden. Andererseits kann eine Kapselfibrose nach beidseitiger Brustvergrößerung auch nur auf einer Seite auftreten. Es müssen also noch andere Aspekte eine Rolle spielen. Sicher stellt aber der Reiz des in den Organismus eingebrachten Fremdkörpers (Brustimplantat) die entscheidende Rolle für die Ausbildung der Kapselfibrose dar.

Oberfläche des Brustimplantates

Brustimplantate mit einer Hülle aus festem Silikon werden ja mittlerweile seit über 50 Jahren zur Brustvergrößerung verwendet. Man hat erkannt, dass die Oberfläche des Brustimplantates für die Entwicklung einer Kapselfibrose eine wichtige Rolle spielt. Eine aufgerauhte Oberfläche der Hülle der Brustimplantate ist hierbei vorteilhaft hinsichtlich der Entstehung einer Kapselfibrose. Bei rauher Implantatoberfläche fällt es Kollagenfasern der Kapsel schwerer sich auszurichten.
Brustimplantate mit einer Hülle aus festem Silikon sind entweder mit Kochsalzlösung oder mit Silikongel gefüllt.

Austritt von Silikongel

Kommt es zu einem Zerreißen der Hülle des Brustimplantates, so stellt das Silikongel einen zusätzlichen Reiz für die Entstehung einer Kapselfibrose dar. Bei Rupturen der Implantathüllen sollte immer rasch eine Entfernung bzw. eine Wechsel des Brustimplantates erfolgen.

Bluterguss, Hämatom im Bereich des Brustimplantates

Im Rahmen einer Brustvergrößerungsoperation muss der Plastische Chirurg zunächst eine Wundhöhle schaffen, in welche anschließend das Brustimplantat eingelegt werden kann. In dieser Wundhöhle kann sich nach der Operation ein mehr oder minder großer Bluterguss ausbilden. Werden größere Mengen eines Blutergusses in der Wundhöhle belassen, so wird der Organismus in der Zeit nach der Operation diesen abbauen (resorbieren). Dabei kann sich aus Blutresten Narbengewebe bzw. eine Kapselfibrose entwickeln. Deshalb ist es empfehlenswert größere Blutergüsse nach Brustvergrößerung zu vermeiden. In der Chirurgie werden zur Vermeidung größerer Blutergüsse im Wundbereich Drainagen verwendet. Das heißt Kunststoffschläuche, welche in die Wundhöhle eingelegt sind und Verbindung mit einer Vacuumflasche haben saugen hier Blutreste ab. Diese Redondrainagen können auch bei Brustvergrößerungen verwendet werden.

Bakterielle Kontamination, Keimbesiedelung der Implantatoberfläche, Biofilm

In den letzten Jahren rückten Überlegungen in den Vordergrund, dass eine bakterielle Keimbesiedelung mit Bildung eines Biofilmes bzw. subklinische Infektion eine wichtige Ursache bei der Entstehung einer Kapselfibrose nach Brustvergrößerung sein könnte.
Kapselfibrosen entwickeln sich meist in den ersten 1-2 Jahren nach einer Brustvergrößerung. Die Tatsache, dass Kapselfibrosen auch noch nach vielen Jahren entstehen können, weist darauf hin, dass auch noch andere (multifaktorielle Entstehungsmechanismen) Ursachen hier wirksam sein können. Aber gerade für die frühzeitig nach einer Brustvergrößerungsoperation auftretenden Kapselfibrosen ist die Hypothese einer bakteriellen Ursache plausibel.
Eine bakterielle Besiedelung oder Kontamination von Brustimplantaten muss nicht mit unsauberem Arbeiten des Plastischen Chirurgen bei der Operation zusammenhängen. Vielmehr ist wichtig zu wissen, dass in den Milchdrüsengängen der Brustdrüse, ähnlich wie auf der Haut, ganz natürlich Bakterien vorhanden sind. Diese "normale" Bakterienflora hat keinerlei Krankheitswert und ist nicht zu beseitigen. Das bedeutet, dass Brustimplantate die im Organismus zwangsläufig mit Brustdrüsengewebe in Berührung kommen auch mit diesen Bakterien kontaminiert werden können.
Ein weiterer Aspekt betrifft nicht pathogene Bakterien welche unter normalen Bedingungen immer auf der Haut vorkommen: Zur Einbringung von Brustimplantaten muss ein etwa 4-5 cm langer Hautschnitt gemacht werden. Über diesen wird dann das Brustimplantat ins Gewebe eingeführt und kommt dabei ebenfalls am Wundrand mit Haut und mit Bakterien in Berührung. (Natürlich wird die Haut vor jeder Operation desinfiziert. Diese Maßnahme kann aber nie zu einer Beseitigung sämtlicher auch tief in den Poren sitzender Bakterien führen).
Kommen nun Bakterien dieser Art mit der Implantatoberfläche in Kontakt, so können sie sich hier ansiedeln. Sie bilden einen sogenannten Biofilm. Dies kann dann eine Kapselfibrose auslösen.
Gegenstand der momentanen Forschung (Juni 2012) ist, detailliertere Informationen über die Entstehungsmechanismen und die Vermeidung von Biofilm bzw. bakterieller Besiedelung der Brustimplantatoberfläche zu gewinnen.
Außer Frage steht jedoch heute, dass bakterielle Besiedelung von Brustimplantaten mit Bildung eines Biofilmes, einer der ganz wesentlichen Faktoren für die Entstehung von Kapselfibrosen ist.
Daraus ergeben sich einige Konsequenzen und Überlegungen:
- Brustimplantate sollten bei der Implantation möglichst nicht mit Bakterien in Verbindung kommen.
Diese Empfehlung ist nicht trivial: Brustimplantate sollten erst unmittelbar vor ihrer Verwendung, mit neuen, sterilen Handschuhen aus der Verpackung entnommen werden. Kontakt der Brustimplantate mit Haut ist möglichst zu vermeiden. Hierzu sind mittlerweile Einführhilfen auf den Markt gekommen, welche das Einbringen der Silikonimplantate ins Gewebe ohne Kontakt mit der Haut ermöglichen sollen. Ob diese Einführhilfen allerdings wirklich zu einer niedrigeren Kapselfibroserate führen, ist bislang nicht bewiesen.
- Brustimplantate und die Implantathöhle sollten mit desinfizierender bzw. antibiotischer Flüssigkeit benetzt werden um damit eine bakterielle Besiedelung der Brustimplantatoberfläche und Biofilmbildung zu verhindern.
- Bestimmte Schnittführungen zur Brustvergrößerung können zu höheren Kapselfibroseraten führen.
Hautinzisionen bei welchen die Brustimplantate mit massiv bakteriell kontaminierter Haut oder Brustdrüsengewebe in Kontakt kommen, können häufiger zu Kapselfibrosen führen.
Neuere Studien weisen darauf hin, dass Inzisionen zur Brustvergrößerung im Bereich des Brustwarzenvorhofes bzw. in der Achselhöhle häufiger zu Kapselfibrosen führen können als Schnittführungen in der Brustumschlagfalte.
- Wird ein Brustimplantat welches bakteriell kontaminiert bzw. mit einem Biofilm benetzt ist bei der operativen Behandlung einer Kapselfibrose wiederverwendet, so könnte das zu einer höheren Kapselfibroserate beitragen. Möglicherweise ist unter diesem Gesichtspunkt die Verwendung eines neuen Brustimplantates zu bevorzugen.
- Im Rahmen der operativen Behandlung einer Kapselfibrose ist möglicherweise die komplette Entfernung der kontaminierten Kapsel (Kapsulektomie) inklusive dem Biofilm vorteilhafter als eine alleinige Einkerbung (Kapsulotomie) der Kapsel.
Manche dieser Überlegungen erscheinen bei heutigem Stand der Erkenntnisse plausibel, sind aber noch nicht klar bewiesen. Zu dieser Thematik sind zukünftig weitere wissenschaftliche Untersuchungen erforderlich.

Behandlung der Kapselfibrose nach Brustvergrößerung

Entferntes Brustimplantat mit umgebender Kapsel
Entferntes Brustimplantat mit umgebender Kapsel

Geschlossene Kapselsprengung

Ein heute weitgehend verlassenes und nicht mehr zu empfehlendes Verfahren zur Behandlung der Kapselfibrose nach Brustvergrößerung ist die geschlossene Kapselsprengung. Dabei wird versucht durch äußeren Druck auf die pralle Kapsel, diese zum Zerreißen zu bringen. In früheren Zeiten wurde diese geschlossene Kapselsprengung häufig ohne Betäubung durchgeführt, was naturgemäß mit starken Schmerzen verbunden war.
Der einzige Vorteil dieser Methode war, dass im günstigsten Falle eine Behandlung der Kapselfibrose ohne Operation erfolgt. Die Nachteile und Risiken hierbei sind allerdings beträchtlich: Zunächst einmal gelang es nicht immer eine Kapselsprengung überhaupt zu erreichen. Wenn die Kapselfibrose mit diesem geschlossenen Verfahren durch Druck gesprengt wurde, hatte man keinerlei Einfluss ob eine ausreichende, komplette Sprengung gelang bzw. ob diese nicht zu Verschiebungen des Brustimplantates führte. Darüberhinaus bestand durch die massive äußere Gewalteinwirkung das Risiko einer Verletzung des Brustimplantates. Aus all diesen Gründen sollte das Verfahren der geschlossenen Kapselsprengung heute nicht mehr angewendet bzw. empfohlen werden. Es wird hier nur der Vollständigkeit halber beschrieben.

Einkerbung der Kapsel bei Kapselfibrose nach Brustvergrößerung (Kapsulotomie)

In der Regel werden ausgeprägte Kapselfibrosen heute auf operativen Wege behandelt.
Eine Behandlungsmethode ist die sogenannte Kapsulotomie.
Hierbei wird, meist über einen Schnitt in der Brustumschlagfalte, das alte Brustimplantat zunächst entfernt.
Sodann kerbt man die Kapsel quasi von innen her ein, beläßt sie aber im Gewebeverbund. Damit gelingt es, die Implantathöhle wieder aufzuweiten, so dass ein neues Implantat eingeführt werden kann.
Der Vorteil dieser Methode ist, dass die Kapsel im Gewebeverbund belassen werden kann. Gelegentlich können bei kompletter, operativer Entfernung von entzündlich veränderten Kapselfibrosen stärkere Blutungen auftreten. Das kann bei alleiniger Einkerbung natürlich vermieden werden. Bei sehr dünner Weichteildeckung liegen die Implantatkapseln manchmal unmittelbar unter der Haut. Unter bestimmten Bedingungen kann es hier sinnvoll sein die Kapsel oder zumindest Anteile derselben zur besseren "Abpolsterung" des Brustimplantates zu belassen. Andererseits können bakteriell kontaminierte, belassene Kapsel verantwortlich sein für das erneute Auftreten einer Kapselfibrose (siehe oben).

Operative Entfernung der Kapsel bei Kapselfibrose nach Brustvergrößerung (Kapsulektomie)

Die komplette, operative Entfernung der Kapsel ist das Standardverfahren bei ausgeprägter Kapselfibrose der Brust nach Brustvergrößerung. Dabei wird die einengende Gewebekapsel komplett entfernt. Es entsteht eine frische, weite Wundhöhle, welche die neuen Implantate aufnehmen kann.
 
erstellt: 21-11-2013 10:07
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf