Plastische Chirurgie bei Rauchern

Plastische Chirurgie bei Rauchern

Titelblatt der Zeitschrift Plastic Reconstructive Surgery
Es gibt zahlreiche Untersuchungen, welche darauf hinweisen, dass Komplikationen nach Operationen bei Rauchern deutlich häufiger auftreten. Diese Tatsache führt sicher zu unterschiedliche Konsequenzen. Bei medizinisch notwendige Operationen wie z. B. einer Knochenbruch-OP oder Blinddarm-OP wird dieses Risiko in Kauf genommen werden müssen. Andererseits ist gerade bei Schönheitsoperationen zu berücksichtigen, dass man einen zeitlich planbaren operativen Eingriff macht, der im Vergleich zu anderen operativen Eingriffen mit ausgedehnten Wundflächen und minderdurchbluteten Hautlappen einher geht.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie hat das Thema Rauchen und Plastische Chirurgie nochmals genauer durchleuchtet:
 
Plastic Surgery and Smoking: A Prospective Analysis of Incidence, Compliance, and Complications
Coon, Devin M.D.; Tuffaha, Sami M.D.; Christensen, Joani B.S.; Bonawitz, Steven C. M.D.
Plastic & Reconstructive Surgery:
February 2013 - Volume 131 - Issue 2 - p 385–391
 
Unter anderem heißt es in dieser Studie: "...Smokers had significantly higher overall complication rates (OR, 3.7; p < 0.001) and tissue necrosis rates (OR, 4.3; p = 0.02) and were likelier to require reoperation (OR, 3.7; p < 0.001)....".
 
Was ist nun Rauchern, die eine Schönheitsoperation ins Auge fassen in der Praxis zu empfehlen?
Zunächst einmal muss sich die Patientin/der Patient darüber im Klaren sein, dass sie/er ein höheres Komplikationsrisiko bei der Operation hat. Das hat nichts mit individueller Veranlagung, schwierigem Befund, schlechtem Arzt, oder ungünstiger Mondphase zu tun, sondern ausschließlich mit der Tatsache des Nikotinkonsumes!
Risiken  können allgemeinmedizinischer Natur (z. B. Beinvenenthrombosen, Lungenembolien, etc.) und speziell lokalbezogen (z. B. Absterben von Hautlappen) sein.
Zur Minimierung dieser Risiken und somit Optimierung auch des ästhetischen OP-Ergebnisses kann der Patient  durch Nikotinkarenz beitragen. Allgemein wird empfohlen das Rauchen ca. 4 Wochen vor der Schönheitsoperation aufzuhören.
Wird das nicht berücksichtigt, so ist eben eine höhere Komplikationsrate zu akzeptieren.
Als Arzt sollte man allerdings hierüber klar und deutlich aufklären. (Eine Wundheilungsstörung nach einer Bauchdeckenstraffung etwa kann 2-3 Monate Heilungsdauer sowie mehrere Nachoperationen erfordern, die dann zu einem ästhetisch möglicherweise nicht befriedigendem Ergebnis führen.)
Ich persönlich handhabe es so, dass ich vor Operationen mit diesbezüglich relativ geringem Risiko (z. B. Lidstraffung, Nasenoperationen) den Patienten zwar Nikotinkarenz empfehle, aber das nicht fordere. Vor Operationen mit großen Hautlappen und großen Wundflächen wie etwa vor Faceliftoperationen oder Bauchstraffungsoperationen fordere ich die Patienten dringend auf, im eigenen Interesse, das Rauchen 4 Wochen präoperativ einzustellen.
 
erstellt: 21-11-2013 10:03
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf