Update: ALCL und Brustimplantate

Update: ALCL und Brustimplantate

Tricolore

 

(aus dem BLOG - 26.3.2015)

Kürzlich hatte das nationale französische Krebsinstitut bzw. das französische Gesundheitsministerium mit einem Statement zum anaplastischen großzelligen Lymphom (ALCL) bei Frauen mit Brustimplantaten große Resonanz in den lokalen Medien ausgelöst und Frauen mit Brustimplantaten verunsichert. In der Stellungnahme heißt es: "Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen dem Auftreten von ALCL und dem Tragen eines Brustimplantates obwohl diese Erkrankung sehr selten ist". Vielleicht war ein möglicher Auslöser für diese Stellungnahmen die ebenfalls im März veröffentlichte, neueste Studie zum Thema: "Anaplastic Large Cell Lymphoma Occurring in Women with Breast Implants: Analysis of 173 Cases". Mittlerweile haben sich mehrere internationale Fachgesellschaften und Behörden dazu geäußert: D, F, GB, USA.

Empfehlenswert ist auch nochmals der Bericht aus dem Jahr 2011 zu dem Thema des US-amerikanischen Gesundheitsministerium FDA. Diese schreibt darin unter anderem dazu: "Weil das Risiko an einem ALCL zu erkranken sehr gering ist glaubt die FDA dass aufgrund der Gesamtheit der Belege auch weiterhin versichert werden kann, dass von der FDA zugelassene Brustimplantate sicher und gewinnbringend sind, wenn diese wie empfohlen verwendet werden."

Das Fazit ist:

-Das Brustimplantat assoziierte ALCL ist eine neue Gattung von Lymphomen (bösartigen Tumoren des Lymphgewebes). Der Tumor tritt im Bereich der Kapsel, welche das Implantat umhüllt auf.

-Frauen mit Brustimplantaten haben wahrscheinlich ein sehr kleines aber höheres Risiko als die Normalbevölkerung an diesem Tumor (ALCL) zu erkranken.

-ALCL tritt extrem selten auf. Weltweit wurden bislang 174 Fälle von ALCL dokumentiert. Zum Vergleich: Die Gesamtzahl der Brustimplantate weltweit wird auf ca. 5-10 Millionen geschätzt. Das Risiko an einem ALCL mit Brustimplantat zu erkranken liegt laut der neuesten Studie (s. o.) bei ca. 1:500000 - 1:3000000.

-Weil ALCL so selten vorkommt, erscheint ein diesbezügliches Screening asymptomatischer Patienten nicht erforderlich. Eine prophylaktisch Implantatentfernung bei Patientinnen mit uncharakteristischen Beschwerden erscheint nicht erforderlich.

erstellt: 26-03-2015 12:23
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf