Weltärztinnenbund beurteilt kosmetische Genitalchirurgie kritisch

Weltärztinnenbund beurteilt kosmetische Genitaloperationen kritisch

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Der Weltärztinnenbund (MWIA) nahm am 19. September Stellung gegen kosmetische Operationen zur Verjüngung im Vaginalbereich.
Damit möchte sich diese Vereinigung klar von ärztlichen Praktiken distanzieren, dass: "Frauen dazu gedrängt werden zu glauben, dass alle weiblichen Genitale gleich aussehen müssten und dass wenn ihr Aussehen nicht konform ist, dies Grund für eine Operation sei".
 
In der Tat habe auch ich den Eindruck, dass es im relativ neuen Gebiet der kosmetischen Chirurgie des weiblichen Genitale noch keine klaren Reglementierungen und Indikationen gibt. Sicher fehlen hier noch aussagekräftige Studien über Sinn oder Unsinn mancher Maßnahmen. Und sicher besteht, ähnlich wie auch bei anderen kosmetischen Verfahren, die Gefahr, dass labile Frauen direkt oder indirekt durch verschiedene Einflüsse (Ärzte, Medien, Öffentlichkeit) zu derartigen Maßnahmen gedrängt werden.
Ich möchte allerdings auch darauf hinweisen, dass zu solchen Maßnahmen immer Zwei gehören: Die Patientin und der Arzt! Aufgabe des Arztes bei allen ästhetischen Maßnahmen ist, eine kritische Einschätzung der Für und Wider im Sinne und zum Wohle der Patientin zu treffen. Dies kann im Einzelfall auch einmal bedeuten als Arzt den Wunsch der Patientin nach einer Behandlung/Operation abzulehnen.

Nachfolgend habe ich die Stellungnahme der MWIA übersetzt. Die Aussagen sprechen für sich. Die Forderungen sind meines Erachtens selbstverständlich, voll und ganz zu unterstreichen und müssen nicht weiter erläutert werden.

 

"Stellungnahme zu kosmetisch-gynäkologischen Operationen
MWIA würdigt die Eigenständigkeit der Frau und befürwortet das Recht jeder erwachsenen Frau selbst zu entscheiden, ob sie eine rechtmäßige medizinischen oder chirurgischen Behandlung haben möchte. MWIA befürwortet die Durchführung einer informierten Zustimmung (bzw. Aufklärung, Anmerkung von mir) aller Patienten die sich medizinischen oder chirurgischen Maßnahmen unterziehen.
 
MWIA lehnt Werbung für Gesundheitsleistungen in regulierten, überwachten Gesundheitseinrichtungen (z. B. üblicherweise von niedergelassenen Ärzten) ab, welche direkt oder indirekt zu deren unüberlegten oder unnötigen Anwendung ermutigt.
 
MWIA lehnt Werbung und Anwendung chirurgischer Maßnahmen und Techniken ab, welche unbewiesenermaßen behaupten weibliche, sexuelle Befriedigung bzw. Attraktivität zu verbessern. MWIA ist der Meinung, dass Werbung und Anwendung derartiger chirurgischer Operationen beträchtliche Risiken hinsichtlich körperlichem und psychischem Schaden für Frauen und Mädchen in sich birgt.
 
MWIA unterstützt die Anwendung gynäkologischer und plastisch-chirurgischer Techniken dort, wo das primäre Ziel ist, eine normale weibliche Anatomie zu reparieren oder wiederherzustellen. Etwa nach Trauma, schädlichen, traditionellen Praktiken, pathologischen Prozessen oder angeborenen Anomalien.
 
MWIA lehnt Beschreibungen in den Medien ab, welche direkt oder indirekt ein vorpubertäres Aussehen des weiblichen Genitales als sexuell erstrebenswert anpreisen. MWIA lehnt Mediendarstellungen ab, welche direkt oder indirekt anormale Vorstellungen des Aussehens des weiblichen Genitale anpreisen.
 
MWIA Sekretariat
September 14, 2012"
 
aus:
 
siehe auch:

 

erstellt: 04-12-2012 17:42
Geschrieben von Prof. Dr. med. Peter Graf